Diesen Monat für Sie entworfen:

Benedikt Glück
Wirtschaftsingenieur
benedikt.glueck@dr-schauer.de

 

 

Florian Bumberger
Wirtschaftsfachwirt
Bankkaufmann
florian.bumberger@dr-schauer.de

 

Andreas Koller
Master of Science
andreas.koller@dr-schauer.de

 

 

Nicole Kaminski
Bankkauffrau
nicole.kaminski@dr-schauer.de

 

 

 

 


Weihnachten – ein betriebswirtschaftliches Paradoxon

Ursprünglich wollten wir diesen Newsletter dem Thema „Darlehenssondertilgungen“ widmen. Hier sollten Sie auf jeden Fall prüfen, ob Sie Sondertilgungsoptionen noch zum Jahresende nutzen wollen. Voraussetzung ist natürlich ausreichend Liquidität auf dem Konto (auch mit Ausblick auf die kommenden Monate). Damit ist das Thema für Sie und uns eigentlich abgeschlossen und Weihnachten kann kommen…

Aber halt, da war doch noch etwas. Vor dem neuen Jahr müssen noch zahlreiche offene Arbeiten abgeschlossen, die Verwaltung erledigt, die Versicherung gewechselt, Werbung geschalten, Wettbewerbsvorteile gesichert, drei Anträge eingereicht, zwei Weihnachtsfeiern besucht und 834 Weihnachtskarten versendet werden. Dazwischen Fitnessstudio, Skiausflug, Christkindlmarkt und Black Friday Shopping. Die „Stade Zeit“ kommt einem alles andere als „stad“ vor. Eher wird Sie jedes Jahr etwas lauter, etwas schneller, etwas hektischer. Endzeitliche Beschleunigung statt weihnachtlicher Ruhe. Keine Zeit für einen Blick nach links oder rechts, schon gar nicht für ein bisschen „Stades“. Doch paradoxerweise wäre dies vor allem auch aus betriebswirtschaftlicher Perspektive äußerst wichtig.

Die bisherige Wirtschaftslehre geht von einer zentralen Prämisse aus: Alle Individuen verhalten sich rational. Dass diese Grundannahme Schwächen hat, erklärt sich eigentlich von selbst. Menschen verhalten sich nicht rational. Wir sind emotionale Wesen, die an gemeinsame Fiktionen und Geschichten glauben. Diese Fähigkeit hat es uns letztendlich ermöglicht, in globalem Maßstab miteinander zu kooperieren. Beispiele sind Firmen, Geld, Nationen, …, an die ein mongolischer Brauereimitarbeiter genauso glaubt, wie der CEO eines Dax Konzerns. Unser „rationales“ Entscheidungsvermögen (Flucht oder Angriff) passt nicht in diese hochgradig vernetzte Gegenwart, sondern eher in die Steinzeit (Anm.: Daher ist es von fundamentaler Wichtigkeit zu rechnen. Denn unser Gehirn besitzt evolutionsbedingt schlichtweg keine Möglichkeit, (finanz)mathematische Sachverhalte intuitiv zu erfassen).

Der moderne Glaube an die Geschichte der Wirtschaftslehre, der Effizienz, der Gewinnoptimierung, des Wettbewerbs, der Leistung, der Rationalität, des Geldes,… überdeckt zunehmend unseren (alten) Glauben an die „Stade Zeit“, an ein emotionales Miteinander, an das Schenken und Teilen, an all das, wofür auch die Weihnachtsgeschichte steht.

Wie sollen Sie mit dieser Veränderung umgehen? Halten Sie einen Moment inne und schenken Sie Ihren Mitarbeitern, Ihren Kunden, Geschäftspartnern, Familien und Freunden Ihre Zeit, Ihre Aufmerksamkeit, Ihre Wertschätzung und Ihre Anerkennung. Stärken Sie den Glauben an den gemeinsamen Erfolg und binden Sie dabei alle Beteiligten ein. Denn an eine gemeinsame Geschichte glauben wir nur dann, wenn wir das Gefühl haben, ein Teil dieser Geschichte zu sein. Weshalb sollten Sie das machen? Dafür gibt es einen rationalen Grund: Studien zeigen, je besser die Kooperation in einer Gruppe, desto erfolgreicher ist die Gruppe. Wirtschaftlicher Erfolg ist also nie nur Folge blanker Effizienz, optimalen Zeitmanagements und kühler Kalkulation, sondern allem voran Folge eines gelungenen Miteinanders. Eines Miteinanders, von dem alle Beteiligten profitieren (Anm.: Für die Berechnung motivierender Vergütungsmodelle können Sie sich gerne an uns wenden).

Gerade zur Weihnachtszeit sollten wir uns dessen bewusst werden. Nicht umsonst haben Geschenke, Teilen, (Weihnachts)Geschichten usw. eine historische Tradition, die wesentlich älter ist, als unser gegenwärtiges Wirtschaftssystem. „Weihnachtliches Verhalten“ im Sinne von Geben mag uns vor dem Hintergrund gegenwärtiger Wirtschaftslehren paradox erscheinen. Aber letztendlich ist die Wirtschaftslehre auch nur eines: Eine Geschichte.

Das BWL Team wünscht Ihnen und Ihren Familien frohe Weihnachten und einen guten Rutsch. Danke, dass wir Sie auf dem Weg zu wirtschaftlichen Höhen begleiten durften. Danke, dass Sie uns Ihr Vertrauen in wirtschaftlichen Krisenzeiten geschenkt haben. Wir freuen uns auf ein erfolgreiches gemeinsames Jahr 2020.