Was erfordert die vorübergehende Senkung der Mehrwertsteuersätze in der Zahnarztpraxis?

 

Bei Praxen mit Eigenlabor reduziert sich die Mehrwertsteuer für alle umsatzsteuerpflichtigen Leistungen ab 01. Juli 2020 auf 5 %. Die Leistung gilt als erbracht, wenn sie vollendet ist, d. h. wenn Sie den im Eigenlabor hergestellten oder reparierten Zahnersatz eingesetzt haben. Stellen Sie Ihre Software für die Rechnungsschreibung entsprechend um.

Achten Sie bei allen Eingangsrechnung darauf, dass ab 1. Juli 2020 die in Rechnung gestellte MwSt. auf 16 % bzw. 5 % reduziert ist. Schicken Sie gegebenenfalls die Rechnung mit der Bitte um Korrektur an den Aussteller zurück und zahlen Sie erst nach erfolgter Änderung.

Überprüfen Sie Ihre Daueraufträge: liegen den Zahlungen umsatzsteuerpflichtige Leistungen zu Grunde, ändern Sie die Beträge entsprechend.

Überprüfen Sie die von Ihnen erteilten SEPA-Einzugsermächtigungen auf die reduzierten MwSt.-Sätze und widersprechen Sie der Abbuchung, wenn sie nicht angepasst wurden. Dies betrifft vor allem Leasingverträge, aber auch Einzüge von Lieferanten- und Dienstleistungsrechnungen.

Planen Sie Investitionen in Bereichen in denen Sie nicht zum Vorsteuerabzug berechtigt sind, d. h. verschieben Sie alle Investitionen in Ihrer Praxis die nicht mit einem Eigenlabor in wirtschaftlichem Zusammenhang stehen, in den Zeitraum 1. Juli bis 31. Dezember 2020, Sie könnten von den reduzierten Steuersätzen profitieren. Entscheidend ist der Zeitpunkt der Lieferung und nicht der Auftragserteilung.

Dieser Hinweis gilt auch für den privaten Bereich, wobei nicht gesichert ist, ob die niedrigeren Steuersätze überall durch Preissenkungen an den Verbraucher weitergegeben werden.

 

Was bedeutet die angekündigte Überbrückungshilfe?

Es wird eine Überbrückungshilfe für die Monate Juni bis August 2020 eingeführt. Antragsberechtigt sind Unternehmen deren Umsätze coronabedingt im April und Mai 2020 um mindestens 60 % gegenüber April und Mai 2019 (bei Gründung nach April 2019 sind die Vergleichsmonate November und Dezember 2019 heranzuziehen) rückgängig gewesen sind und deren Umsatzrückgänge in den Monaten Juni bis August 2020 um mindestens 50 % fortdauern.

Erstattet werden sollen bis zu 50 % der fixen Betriebskosten bei einem Umsatzrückgang von mindestens 50 % gegenüber dem Vorjahresmonat, bei einem Umsatzrückgang von mehr als 70 % können bis zu 80 % der fixen Betriebskosten erstattet werden. Der maximale Gesamterstattungsbetrag pro Unternehmen beträgt 150.000,00 € für drei Monate. Bei Unternehmen mit bis zu fünf Beschäftigten soll der Erstattungsbetrag 9.000,00 €, bei Unternehmen mit bis zu zehn Beschäftigen 15.000,00 € nur in begründeten Ausnahmefällen übersteigen.

Da für Zahnarztpraxen in aller Regel nach dem Einnahmen-/Ausgabenprinzip und nicht nach dem Zeitpunkt der erbrachten Leistung gebucht wird, würden sich entsprechende Umsatzrückgänge erst nach den genannten Vergleichsmonaten in der Buchhaltung (BWA) erkennen lassen.

Deshalb ermitteln Sie bitte aus Ihrer Praxissoftware die in den relevanten Monaten April/Mai 2019 und April/Mai 2020 erbrachten Leistungen unabhängig davon, wann Sie auf Ihrem Konto eingegangen sind, d. h. natürlich auch, dass Geldeingänge in diesen Zeiträumen, die auf Leistungen beruhen die vor dem jeweiligen 1. April erbracht wurden, nicht gezählt werden dürfen.

Erfüllen Sie die Voraussetzungen für die oben genannten Zeiträume, sollten Sie bereits jetzt entsprechende Aufzeichnungen für den Zeitraum Juni 2020 bis August 2020 vornehmen und laufend fortschreiben. Zeichnet sich ein anhaltender Umsatzrückgang von 50 % bis Mitte August 2020 ab, besprechen Sie gerne mit uns das weitere Vorgehen, da der Termin für die Abgabe eines entsprechenden Antrags derzeit noch der 31. August 2020! – also bereits mit dem Ende des Vergleichszeitraums – ist.

Erfüllen Sie die Voraussetzungen in den Monaten April/Mai nicht, erübrigen sich weitere Schritte.