Diesen Monat für Sie entworfen:

Prof. Dr. Nikolaus Kastenbauer
Steuerberater, Rechtsanwalt, Partner
Fachberater Gesundheitswesen
dr.kastenbauer@dr-schauer.de

 

 


Aufgrund der Corona-Pandemie droht Deutschland eine der schwersten Rezessionen aller Zeiten. Etlichen Unternehmen droht die Insolvenz. Fast 900.000 Betriebe in Deutschland haben für mehr als 11,7 Millionen Menschen Kurzarbeit angezeigt – so viel wie noch nie.

Für die Arbeitnehmer bedeutet das: Sie müssen gezwungenermaßen weniger arbeiten. Ihr Verdienstausfall wird von der Bundesagentur für Arbeit aber zumindest teilweise wieder ausgeglichen.

Viele Kurzarbeiter müssen sich auf teils hohe Steuernachzahlungen für dieses Jahr einstellen. Vielen drohen Nachzahlungen von mehreren hundert Euro oder entsprechend geringere Erstattungen der Finanzämter. Die Höhe ist abhängig vom Gesamteinkommen und der Dauer der Kurzarbeit; in Einzelfällen drohen Nachzahlungen von mehr als 1.000,- Euro. Betroffen sind Alleinstehende ebenso wie verheiratete Arbeitnehmer.

Ursache ist der sogenannte Progressionsvorbehalt im Steuerrecht: Danach ist das Kurzarbeitergeld bei der monatlichen Auszahlung zwar steuerfrei, wird aber am Jahresende dem zu versteuernden Einkommen hinzugerechnet. Dadurch ergibt sich ein höherer prozentualer Steuersatz, der dann auf das zu versteuernde Einkommen angewendet wird.

Der Progressionsvorbehalt soll den Unterschied ausgleichen zwischen Arbeitnehmern, die steuerpflichtige und steuerfreie Einnahmen wie Kurzarbeitergeld beziehen und Arbeitnehmern, die nur steuerpflichtige Einnahmen haben, wie das Bundesfinanzministerium auf seiner Homepage erläutert.

Genaues Nachrechnen ist erforderlich, denn wie viel Kurzarbeiter zur Seite legen sollten, hängt vom Einzelfall ab und kann pauschal nicht beantwortet werden. Durchschnittlich dürften es aber so ca. 15% des Kurzarbeitergeldes sein. Je mehr Kurzarbeitergeld bezogen wird, desto mehr muss nachgezahlt werden.

Da das Kurzarbeitergeld nicht von der Bundesagentur sondern vom Arbeitgeber überwiesen wird, wird es auf der jährlichen Lohnsteuerbescheinigung des Empfängers ausgewiesen.

Hinweis für Arbeitgeber und Arbeitnehmer:

Wenn Kurzarbeitergeld von mehr als 410 Euro im Jahr ausgezahlt werden, besteht für die Empfänger/Arbeitnehmer die Pflicht zur Abgabe einer Steuererklärung.

Sind Sie Arbeitgeber, ist zu überlegen, ob Sie Ihre Arbeitnehmer entsprechend darauf hinweisen und „vorwarnen“ möchten.