Praxisveräußerungen unter Fortführung der freiberuflichen Tätigkeit in geringem Umfang

Eine steuervergünstigte Praxisveräußerung kann auch dann vorliegen, wenn die freiberufliche Tätigkeit in geringem Umfang fortgeführt wird.

Steuervergünstigte Praxisveräußerung 

Die steuervergünstigte Praxisveräußerung nach § 18 Abs. 3 EStG setzt voraus, dass für die Ausübung wesentliche Betriebsgrundlagen entgeltlich übertragen werden. Dies gilt insbesondere für den Mandantenstamm und den Praxiswert. Zudem muss die freiberufliche Tätigkeit wenigstens für eine gewisse Zeit eingestellt werden (vgl. H 18.3 EStH).

Fortführung der freiberuflichen Tätigkeit 

Doch wie ist es zu beurteilen, wenn die freiberufliche Tätigkeit fortgeführt wird? Erfolgt dies in geringem Umfang, ist das für die Steuervergünstigung unschädlich. Wenn der Freiberufler also einzelne Mandanten auf eigene Rechnung weiter betreut, ist dies unschädlich, wenn die Geringfügigkeitsgrenze nicht überschritten wird.

Geringfügigkeitsgrenze 

H 18.3 EStH bestimmt, dass die Fortführung einer freiberuflichen Tätigkeit in geringem Umfang erfolgt, wenn die darauf entfallenden Umsätze in den letzten drei Jahren weniger als 10% der gesamten Einnahmen ausmachten.

Das Finanzministerium Sachsen-Anhalt nimmt in einer Verfügung Stellung und bezieht sich auf den BFH-Beschluss v. 11.2.2020, VIII B 131/19. Bundeseinheitlich wird laut FinMin Sachsen-Anhalt nun – abweichend der bisherigen Verwaltungsauffassung – die Hinzugewinnung neuer Mandanten/Patienten im Rahmen o.g. geringfügiger Tätigkeit für die Annahme einer begünstigten Veräußerung i.S. der §§ 18 Abs. 3, 34 Abs. 2 Nr. 1 EStG als unschädlich beurteilt.