Diesen Monat für Sie entworfen:

 

Benedikt Glück
Wirtschaftsingenieur
benedikt.glueck@dr-schauer.de

 

 

Florian Bumberger
Wirtschaftsfachwirt
Bankkaufmann
florian.bumberger@dr-schauer.de

 

Melanie Knöpfle
Bachelor of Arts in Business
Bankkauffrau

 

 

Nicole Kaminski
Bankkauffrau
nicole.kaminski@dr-schauer.de

 

 

 

 


Keine Prognose durch Jacke und Hose

Prognosen sind ein fester Bestandteil unseres alltäglichen Lebens, bewusst oder unbewusst. So beinhalten nahezu alle unsere Entscheidungen Annahmen über die zukünftige Entwicklung. Wird beispielsweise für das Wochenende 30 Grad und Sonnenschein prognostiziert, werden wir vermutlich unser Wochenende am See verbringen. Ich kaufe Toilettenpapier, nicht weil ich es an Ort und Stelle benötige, sondern weil ich es mit sehr hoher Eintrittswahrscheinlichkeit zukünftig benötige – oder weil ich annehme, es gibt nie wieder welches. Und selbst wenn wir heiraten, treffen wir – bewusst oder unbewusst – eine Prognose (die nicht immer zutrifft…). Man kann also sehr schnell feststellen, dass ein Leben ohne Prognosen nicht denkbar ist.

Derzeit kursieren eine Menge Prognosen. Und was im Frühjahr noch das V, U und lange U war (Kurvenform der wirtschaftlichen Entwicklung vgl. Newsletter „Schwarze Schwäne“), wird derzeit eher zum W oder vielleicht zum WU. Bleibt nur zu hoffen, dass Corona uns nicht zwingt, das gesamte Alphabet in Kurvenform zu durchlaufen. Fakt ist jedoch, wir brauchen Zukunftsprognosen für gegenwärtige Entscheidungen. Zu klären bleibt, ob Prognosen in derart turbulenten Zeiten Sinn machen. Oder ob Sie angesichts aktueller Ereignisse überhaupt Sinn machen.

Grundsätzlich geht es bei jeder Prognose um Eintrittswahrscheinlichkeiten. Eine Prognose, in der etwas Bestimmtes geschehen „könne“, ist wenig sinnvoll, da prinzipiell fast alles geschehen „könnte“. So ist es relativ unwahrscheinlich, dass eine Prognose eine Eintrittswahrscheinlichkeit von 0 oder 100 Prozent beträgt. Es geht um Tendenzen – und welches Ergebnis wahrscheinlicher eintritt, als ein anderes. Grundlage dabei ist immer eine Fortschreibung der Vergangenheit. Daher ist es für die Menschheit auch nahezu unmöglich, völlig neuartige und unerwartete Ereignisse vorherzusagen. Man weiß zwar, dass Sie kommen, aber niemand weiß wann, wo und in welcher Form die Ereignisse eintreffen (z.B. die Wissenschaft findet heraus, dass die Erde gar nicht rund ist…).

Aber selbst im Falle bekannter Eintrittswahrscheinlichkeiten müssen Zukunftsprognosen, wie etwa zum Klimawandel, nicht dazu führen, dass wir unser Verhalten wirklich verändern. Der Grund: Es liegt außerhalb unserer Vorstellungskraft, dass sich die Welt und unser gesamtes Leben derart dramatisch verändern könnten.

Hinzu kommt, dass die Prognose selbst Teil der Eintrittswahrscheinlichkeit wird. Gehen wir beispielsweise vom Aktienmarkt aus. Viele Zeitschriften geben auch hier Prognosen und Stellungnahmen zu der Kursentwicklung eines bestimmten Unternehmens ab. Oftmals werden Handlungsempfehlungen wie „Halten“, „Kaufen“ oder „Verkaufen“ abgegeben – auch hier werden also Tendenzen aufgezeigt. Diese Empfehlungen von Börsenzeitschriften können somit die Grundlage für unsere zukünftige Entscheidung sein. Warren Buffet kam so zu seinem Reichtum (er hat Börsenkurse kommentiert und sehr schnell gemerkt, dass seine Aussage den Kurs beeinflusst) sowie zu seinem Spitznamen als „Orakel vom Omaha“. Prognosen können für uns also eine Orientierung darstellen und gleichzeitig eine Entscheidungshilfe sein.

Wann macht eine Prognose also Sinn und wann nicht? Grundsätzlich beruht unsere Wirtschaft auf einer positiven Zukunftserwartung. Nicht umsonst kommt der Begriff Kredit vom lateinischen credere „vertrauen, glauben“. Ohne positive Zukunftserwartung also keine Zukunft? Zumindest im Wirtschaftsleben trifft dies auf jeden Fall zu. Bezüglich zahlreicher möglicher Entwicklungen ist es jedoch wichtig, eine maximale Informationsbasis zu haben. Das Motto dabei lautet: „Auf alles vorbereitet sein, auf das man vorbereitet sein kann“ (man denke an jenes Gefühl, das aufkommt, wenn festgestellt wird, das kein Toilettenpapier mehr da ist…). Dies ist die einzige Möglichkeit, die Unsicherheit etwas zu zähmen.

Ein solches Vorgehen versuchen wir auch im Rahmen unserer Beratungsleistungen konsequent zu verfolgen. In maßgeschneiderten Businessplänen rechnen wir auf Wunsch mehrere Varianten bzw. „Was wäre wenn“-Szenarien für Sie. Wir prüfen Geschäftsmodelle auf deren Risikoanfälligkeit und kalkulieren grundsätzlich mit Pufferzonen, um diese Risiken (auch mathematisch) abfedern zu können. Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst, denn es geht nicht nur um eine Prognose, es geht um Ihre Zukunft.

Das BWL-Team wünscht Ihnen eine besinnliche Weihnachtszeit und einen guten Start in das Jahr 2021.