Sehr geehrte Damen und Herren,

immer wieder werden wir in unserer täglichen Arbeit gefragt: Was soll ich mit meinem Geld machen?

Zuallererst ist dies natürlich eine erfreuliche Frage und die zentrale Antwort des Kapitalismus: Lasse das Kapital für Dich arbeiten. Allerdings gibt diese Frage auch Anlass zur Sorge. (Meist) ist überschüssiges Geld hart erarbeitet und steht für unzählige Lebensstunden, Sorgen, schlaflose Nächte. Und so manchem bereitet diese Frage nach all den unzähligen Lebensstunden, Sorgen, schlaflosen Nächten wieder Sorgen und schlaflose Nächte. Mit Recht?

Allgemeiner Investitionsrahmen
Unbestreitbar ist: Wir befinden uns in einer historischen Niedrigzinsphase. Dies hat mehrerlei Gründe. Nach der Finanzkrise 2008 hat die Zentralbank den Leitzins stark gesenkt, um ein günstiges Investitionsklima zu schaffen. Ein niedriger Leitzins hat Einfluss auf das allgemeine Zinsniveau auch der Geschäftsbanken. Unternehmen und Privatpersonen sind verleitet, Investitionen zu tätigen. Aber auch Staaten können sich günstig Geld leihen, beispielsweise über die Ausgabe von Staatsanleihen. Diese werden (in der aktuellen Situation) primär von Zentralbanken gekauft, womit sozusagen neues Geld geschaffen wird. „Hoc est corpus“ wurde einst gepredigt – Hokuspokus kam dabei heraus:

 

Abbildung: Geldmenge M0 im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung
Quelle: ifo Institut basierend auf Eurostat, OECD, Bank of Japan, Bank of England, FED, Ameco

 

Diese Geldmengenausweitung hat jedoch bisher noch nicht den gewünschten Effekt, die Inflation auf rund 2% zu stabilisieren, was die zentrale Aufgabe der Zentralbank wäre.
Stattdessen besteht die Vermutung, dass durch die derzeitige Geldpolitik der Zentralbank künstlich ein Niedrigzinsklima gerade für südeuropäische Staaten aufrechterhalten wird.
So kann sich Griechenland aktuell zum nahezu gleichen Zinssatz Geld leihen wie die USA!
Aber wo ist all das Geld dann hin? Experten vermuten eine Hortung riesiger Geldmengen (unter (großen) Kissen, auf Zentralbankkonten, etc.), gerade weil es keine Zinsen hierfür gibt.

Sollte die Wirtschaft wieder „Fahrt“ aufnehmen, besteht die Möglichkeit, dass dieses Geld aus den Horten hervorgeholt wird und tatsächlich zu zirkulieren beginnt. Damit wird ein dynamischer Prozess in Gang gesetzt der ggf. nicht mehr steuerbar ist – die Inflation galoppiert sozusagen davon. An dieser Stelle möchten wir betonen, dass es durchaus auch andere Expertenmeinungen gibt und sämtliche Aussagen als mögliches Szenario ohne eine spezifische Wahrscheinlichkeitsaussage unsererseits zu werten sind.

Doch welche Auswirkungen hat das auf Sie?
Historisch gesehen haben vor allem jene bei Inflationen verloren, die Barvermögen bzw. Bankguthaben hatten. Die Kaufkraft (der Wert) des Ersparten sinkt immer weiter.
Einen indirekten Vorgeschmack gibt es bereits: Negativzinsen auf Ihrem Bankkonto.
Wohin also damit?

Immobilien?
Wie Sie wahrscheinlich bereits gemerkt haben, sind Sie nicht die/der einzige mit dieser Überlegung. Immobilien gelten als wertstabil, Betongold, krisensicher. Dass dies nicht zwangsläufig so sein muss, hat die Immobilienblase in den USA gezeigt.
Wichtig ist: Es gibt unterschiedliche Bewertungskriterien für Investitionsobjekte:
Marktbasierte und einkommensbasierte Bewertungen. Marktbasiert bedeutet im Bezug auf Immobilien, dass der Preis z.B. eines Hauses an Referenztransaktionen festgemacht wird
➡ „Was wird am Markt derzeit bezahlt?“
Demgegenüber wird bei einkommensbasierten Werteinschätzungen die Frage gestellt
➡ „Was verdiene ich mit der Investition?“

Gerade bei Immobilien an begehrten Standorten (z. B. München) zeigt sich zusehends ein Unterschied zwischen den beiden Wertansätzen. So steigen die erzielten Preise oftmals stärker als die im Anschluss erzielbaren Mieten. Damit sinkt die Rendite der Investition, teilweise sogar ins Negative (z. B. wenn Sie sich einen Mietnomaden einfangen). Dies hat mit einer Orientierung am allgemeinen Zinsniveau sowie auch mit Angebot und Nachfrage zu tun (wobei die Nachfrage meist mit niedrigeren Zinsen steigt). Große Investoren möchten über Immobilien Sicherheit ins Portfolio bringen und ggf. an der (Markt-)Preisentwicklung partizipieren. Es gibt durchaus noch das ein oder andere Schnäppchen und vielleicht werden wir in einigen Jahren sagen, dass sämtliche Preise heute ein Schnäppchen waren. Allerdings sehen wir hier einen Grenzbereich zwischen Investition und Spekulation. Und zumeist wurde die Wertschöpfung z. B. durch Modernisierung und teuren Weiterverkauf schon von anderen realisiert.

Aktien/Anleihen/Fonds etc.?
Auch hier sei vorausgeschickt, dass wir keine Anlageberater sind und eine subjektive Meinung äußern bzw. keine Anlageberatung vornehmen möchten. Meist sind die Gewinner an der Börse hochspezialisierte Unternehmen oder Computer, gegen die Sie eine Wette eingehen.
Wer nicht genau weiß, was eine Aktie ist (ein verbriefter Anteil an einem Unternehmen)
oder wie ein Börsenkurs tatsächlich zu Stande kommt, sollten Sie sich in jedem Fall zunächst
umfassend informieren. Sie sind von Ihrer Anlagestrategie überzeugt?

Vergessen Sie niemals, dass jemand eine gegenläufige Meinung vertreten muss, da ansonsten kein Geschäft zu Stande kommen würde. Es ist immer eine Wette, die Sie eingehen! Untersuchungen haben gezeigt, dass Affen teilweise besser Wetten können als Fondsmanager. Im Umkehrschluss bedeutet das, Sie können sich entweder vertrauensvoll an einen „Aktien-Fachmann“ wenden oder (besser) einige Anlagetipps im Tierpark Hellabrunn einholen.
Wichtig ist: Sowohl die Affen wie auch die Fondsmanager setzen nicht das eigene Geld bei der Wette gegen Sie ein und (zumindest letztere) haben mehr Kapital (können diverse Strategien länger durchhalten) zur Verfügung als Sie. Das alles bedeutet nicht, dass die Börse keine Chancen bietet. Gerade auch im Rahmen einer Inflation haben Unternehmen die Möglichkeit (in einem bestimmten Rahmen) die Endkundenpreise an das Inflationsniveau anzupassen und somit abzupuffern (natürlich nur so lange, wie die Inflation nicht zu einer umfassenden Wirtschaftskrise wird). Davon können Anteilseigner mit profitieren.
Und vielleicht kennen Sie ja das Geschäftsmodell eines Unternehmens, dessen Firmenpolitik, den Markt, die Wettbewerber, etc. so gut, dass Sie sich entschließen: Da mache ich mit!

Dabei gibt es Aktien, die im Vergleich zum „Gesamtmarkt“ (z. B. DAX, CDAX) verhältnismäßig stark schwanken, Aktien die weniger schwanken und auch Aktien, die sich gegen den Markt bewegen. Die „Schwankungsfreude“ einer Aktie wird über das sog. Beta zum Ausdruck gebracht. Aber auch hier sei zur Vorsicht gemahnt: Eine sehr geringe Schwankung kann auch in einem sehr geringen Handelsvolumen der Aktie begründet sein, sprich: Vielleicht bekommen Sie die Anteile an der Hinterüberblauseer Almbergbahnen AG nie wieder los. Staatsanleihen versprechen demgegenüber eine höhere Sicherheit, allerdings auch z.T. sehr niedrige Zinsen. Und auch hier gilt: 100% Sicherheit gibt es nur in Sachen Tod und Steuern!

Fortsetzung folgt…