Diesen Monat für Sie entworfen:

Benedikt Glück
Wirtschaftsingenieur
benedikt.glueck@dr-schauer.de

 

 

Florian Bumberger
Wirtschaftsfachwirt
Bankkaufmann
florian.bumberger@dr-schauer.de

 

 

Nicole Kaminski
Bankkauffrau
nicole.kaminski@dr-schauer.de

 

 

 

 


 

Mato Grosso, Brasilien – Männer des Stammes Enawene Nawe haben sich anlässlich des Fischfang-Festes die Hüften mit Palmenfaser umwickelt und sich mit Ara- und Falkenfedern geschmückt. Gemeinsam tanzen sie singend im Kreis. Der westliche Beobachter ist geneigt zu urteilen: Wilde, bei einem Ritual.

Es ist das wichtigste Fest im Jahr, denn die Enawene Nawe ernähren sich primär von Fisch. Sie tauschen Salz, Maniok und Honig mit den Geistern, auch wenn diese sie scheinbar nicht hören. Denn vom ursprünglichen Lebensraum der Indianer ist nicht viel geblieben, nachdem der Wald der Rinderzucht Platz machen musste und der Flusslauf durch zahlreiche Staudämme zerstört wurde.

München, Deutschland – Männer und Frauen der Landeshauptstadt verkleiden sich anlässlich eines Faschingsfestes als Meerjungfrauen, Piraten, Cowboys und Indianer. Die Stimmung ist heiter-ausgelassen. Gemeinsam bilden Sie einen tanzenden Wurm und singen „wir ziehen los, mit…“. Die fünfte Jahreszeit bietet jede Menge Gelegenheit, um zu feiern. Es ist, abgesehen vom Oktoberfest, die wichtigste Festzeit im Jahr. Und so mancher Cowboy wird nicht alleine nach Hause reiten. Ein indigener Beobachter wäre wahrscheinlich geneigt zu urteilen: Wilde, bei einem Ritual. Jedoch kaum einer der Anwesenden weiß, weshalb er gerade feiert, und nicht einmal die Wissenschaft kann darauf eine genaue Antwort geben. Es wird jedoch davon ausgegangen, dass das heutige Faschingstreiben seinen Ursprung in vorchristlichen Riten hat. Dabei ging es vermutlich um die Vertreibung des Winters und der bösen Geister, indem man sich als unheimliches Naturwesen verkleidete. Vielleicht, so könnte man schließen, hat die Vertreibung des Winters besser funktioniert als gewünscht.

Das heutige München liegt somit u.a. bei den Riten näher an Mato Grosso, als mancher vermuten mag. Und erst recht in jenen Momenten, in denen der Cowboy und die Meerjungfrau auf ihrem Heimweg vom Faschingsball noch in einen saftigen Burger beißen.

Die zahlreichen Wechselwirkungen und gegenseitigen Verflechtungen in unserer modernen Welt sind jedoch eigentlich für niemanden vollständig zu überblicken. Das bedeutet aber keinesfalls, dass diese ignoriert werden dürfen. International agierende Unternehmen haben das erkannt und ein entsprechendes Risikomanagement eingeführt. Sie entwerfen Zukunftsszenarien, berechnen Wahrscheinlichkeitskorridore für Entwicklungen und sichern sich, z.B. über Hedgefonds oder durch die Bildung entsprechender Rücklagen, gegen mögliche Risiken (deren Verursacher sie zum Teil selbst sind) ab.

Doch wie soll der Cowboy, der im „echten“ Leben ein kleines Unternehmen führt, mit seiner Situation umgehen? Nicht anders wie die großen Unternehmen: Zukünftige Entwicklungen planen, absichern, Rücklagen bilden. Dass wir in einer unüberschaubaren Welt leben, bedeutet nicht, dass wir die überschaubaren Teile einfach wegignorieren können. Das beginnt bei Unternehmens- und Abschreibungsplanung, der Bildung von Steuerrücklagen, dem Aufbau von privaten Rücklagen und sollte bis zur Auswirkung unseres (die Rücklagen aufzehrenden) Konsumverhaltens auf den „Rest“ der Menschheit reichen.

Als Unternehmensplaner wissen wir am besten, dass es Unvorhersehbares und Überraschendes gibt, dass Umbaumaßnahmen teurer werden als geplant, dass wichtige Mitarbeiter unerwartet ausscheiden, dass die Steuerrücklage gerne mal für ein neues Auto verwendet wird, dass sich wirtschaftliche Rahmenbedingungen schlagartig ändern können. Aber genau das macht eine gute Planung aus – die Berücksichtigung des Unplanbaren.

Denn vielleicht werden am Ende all die Feierlichkeiten, Anstrengungen und ehrgeizigen Zielsetzungen unserer modernen Gegenwart nicht ausreichen, um diese endlos so fortzuschreiben. Und die Menschen werden in 200 Jahren, beim Anblick einiger Bilder eines Faschingsfestes über uns urteilen: Wilde, bei einem Ritual.