Diesen Monat für Sie entworfen:

Benedikt Glück
Wirtschaftsingenieur
benedikt.glueck@dr-schauer.de

 

 

Florian Bumberger
Wirtschaftsfachwirt
Bankkaufmann
florian.bumberger@dr-schauer.de

 

 

Nicole Kaminski
Bankkauffrau
nicole.kaminski@dr-schauer.de

 

 

 

 


 

Es war einmal…

Es war einmal… So fangen Märchen an. Geschichten, meistens mit einem Happy End versehen. Die Handlung ist dabei eine logische Abfolge einzelner Episoden. Und damit unterscheiden sich diese Geschichten nur bedingt von dem, was wir als unsere Geschichte bezeichnen.

Logisch, dass die Dampfmaschine, das Erdöl, das Internet eine industrielle Revolution hervorgerufen haben. Logisch, dass der Erste und Zweite Weltkrieg ausbrechen mussten. Aus dem aktuellen Moment betrachtet sehen die Dinge jedoch oftmals alles andere als logisch aus: Noch 1993 hat Bill Gates gesagt, dass das Internet nur ein Hype sei. Sehr aufschlussreich sind auch Tagebuch- und Zeitzeugenberichte aus Paris einen Tag vor dem Einmarsch der Deutschen. In zehn Jahren wird irgendjemand über das Jahr 2020 schreiben: „Logisch, dass sich die Lage nach Corona schnell wieder erholt hat. Die Infrastruktur, das Kapital, die Arbeitskräfte, all das war ja nach wie vor verfügbar…“ Oder er wird schreiben: „Logisch, dass es nach Corona eine globale Rezession unbekannten Ausmaßes gegeben hat. Viele betroffene Staaten waren bereits stark überschuldet…“

Fakt ist – entgegen unserer (kognitiv bedingten) Vorliebe, alles in logische Zusammenhänge und eingängige Geschichten zu ordnen -, dass die tatsächliche Geschichte höchst disruptiv und in keiner Weise logisch verläuft. Wir betrachten unseren Alltag als „normal“, einen Alltag, den es in vergleichbarer Weise in 99,99% der Menschheitsgeschichte so nicht gegeben hat. Wir betrachten unser Wirtschaftssystem als alternativlos, ein System, das gerade Mal ein paar Jahrzehnte „getestet“ wird. Und dann kommt Corona und stellt alles in Frage. Dabei wollen wir doch nur eines: Weiterhin Oktoberfest, weiterhin Gesundheit, weiterhin einkaufen gehen, weiterhin in den Urlaub fahren. Die Wünsche in anderen Teilen der Welt sind dabei wesentlich elementarer: Jeden Tag etwas zu essen, zum Beispiel.

Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung: Ratlos. Virologen: Ratlos. Politiker: Ratlos. Und dennoch, die Geschichte schreibt sich ohne Rücksicht auf Verluste weiter. Es ist das Offensichtlichwerden des Chaos genau in den Momenten, in denen das „Normale“ endet, was vielerorts für erhebliche Verunsicherung sorgt. Doch auch der Umgang mit dem Chaos kann geübt werden. Zum Beispiel, indem „normal“ eine größere Bandbreite erhält. Der Sachverständigenrat macht es mit seiner Szenario-Berechnung vor. Wir haben keine Ahnung was kommt: Schauen wir uns unterschiedliche Entwicklungsmöglichkeiten an und verschließen die Augen nicht vor dem worst-case. Herausgekommen sind wenig einfallsreiche Namen wie „Basisszenario“, „ausgeprägtes V“ und „langes U“.

Es sind diese Kurven, an denen sich derzeit auch die meisten individuellen Finanzplanungen orientieren. Wichtig ist dabei vor allem zu berücksichtigen:

  1. Wir wissen es nicht: Es muss schnell und einfach möglich sein, Kredite auszuweiten oder zurück zu führen.
  2. Wenn das Dach brennt, hat man das Wasser im Keller: Es muss dringend eine entsprechende/ langfristige Kredit-Rückführung geplant werden.
  3. Die getroffenen Maßnahmen sollten laufend geprüft und an die aktuelle Situation angepasst werden.
  4. Ein rechtzeitiges Einschätzen möglicher Entwicklungen ist besser, als zu lange zu warten.

Letzten Endes bleibt uns nichts, als die Unsicherheit (die eigentlich laufend existiert, jedoch nicht wahrgenommen wird) zu akzeptieren. Das heißt nicht, dass wir keine positive Zukunft erwarten dürfen (sonst bricht unser Kreditsystem zusammen). Vielmehr sollten wir uns jedoch darauf konzentrieren, JETZT das „Beste“ aus unserer Situation zu machen – für uns und die Menschen um uns herum. Denn eines mussten wir schmerzhaft lernen: Niemand weiß was kommt, und alles, was bleiben wird, ist eine Geschichte, die irgendwann endet. Vielleicht mit einem Happy End.