Diesen Monat für Sie entworfen:

Dipl.-Kfm.
Dr. Ralf Erich Schauer

Steuerberater, Partner
Fachberater für den Heilberufebereich (IFU/ISM gGmbH)
dr.schauer@dr-schauer.de

 

 


Diese steuerlichen Änderungen sollten Sie kennen!

 

Drittes Corona-Steuerhilfegesetz

Enthalten sind folgende Maßnahmen:

Kinderbonus zum Kindergeld

Familien erhalten wie schon im vergangenen Jahr einen Kinderbonus. Der Zuschlag auf das Kindergeld beträgt einmalig 150 EUR. Er wird mit dem steuerlichen Kinderfreibetrag verrechnet, aber nicht auf die Grundsicherung angerechnet (§ 66 Absatz 1 Satz 2 bis 4 EStG). Im vergangenen Jahr betrug die einmalige Zahlung 300 EUR.

Für jedes Kind, für das für den Monat Mai 2021 ein Anspruch auf Kindergeld besteht, wird für den Monat Mai 2021 der Einmalbetrag gezahlt. Kinder, für die im Mai 2021 kein Anspruch auf Kindergeld besteht, werden ebenfalls berücksichtigt, wenn für sie in einem anderen Monat des Jahres 2021 ein Kindergeldanspruch besteht.

Für den Einmalbetrag sind ansonsten grundsätzlich alle Vorschriften gelten, die auch für das – monatlich gezahlte – steuerliche Kindergeld maßgebend. So kann etwa nach § 64 EStG für jedes Kind nur einem Berechtigten das Kindergeld und damit auch der Einmalbetrag gezahlt werden.

Es ist ausdrücklich geregelt, dass die Zahlung der Einmalbeträge beim steuerlichen Familienleistungsausgleich zu berücksichtigen sind. Die Einmalbeträge werden daher neben dem monatlich gezahlten Kindergeld bei der Vergleichsrechnung mit den Kinderfreibeträgen einbezogen. Je höher das Einkommen ist, desto mehr mindert der Kinderbonus eine mögliche steuerliche Entlastungswirkung.

Umsatzsteuer in der Gastronomie

Eigentlich bis Ende Juni 2021 gilt für Speisen in Cafés und Restaurants der ermäßigte Mehrwertsteuersatz. Doch da die Gastronomie seit Wochen geschlossen ist, profitiert sie nicht davon. Daher wird der Steuersatz von 7 Prozent bis Ende 2022 zur Anwendung kommen (§ 12 Abs. 2 Nr. 15 UStG). Auf Getränke bleibt es beim regulären Steuersatz.

Neben der Gastronomie sollen hiervon auch andere Bereiche, wie Cateringunternehmen, der Lebensmitteleinzelhandel, Bäckereien und Metzgereien profitieren, soweit sie mit der Abgabe verzehrfertig zubereiteter Speisen entsprechende Dienstleistungen erbringen.

Erweiterter Verlustrücktrag

Unternehmen mit coronabedingten Verlusten sollen durch einen erweiterten Verlustrücktrag unterstützt werden. Sie sollen nun in größerem Umfang Verluste aus 2020 und 2021 steuerlich mit Gewinnen aus den Vorjahren verrechnen können. Vorgesehen ist, den Verlustrücktrag zu verdoppeln – auf maximal 10 Mio. EUR beziehungsweise 20 Mio EUR bei einer Zusammenveranlagung (§§ 10d Abs. 1 Satz 1, 52 Abs. 18b EStG). Dies gilt auch für den vorläufigen Verlustrücktrag für 2020 nach § 111 EStG (§ 52 Abs. 52 und 53 EStG).

Durch den Finanzausschuss im Bundestag wurde zusätzlich ermöglicht, auch im Rahmen der Steuerfestsetzung für 2020 einen vorläufigen Verlustrücktrag für 2021 zu berücksichtigen. Voraussetzung dafür ist, dass die Vorauszahlungen für 2021 auf 0 EUR herabgesetzt wurden. Ebenso wird die Möglichkeit eröffnet, die Stundung gemäß § 111 Abs. 4 EStG auch für die Nachzahlung bei der Steuerfestsetzung 2020 zu beantragen.

 

Weitere Maßnahmen

Folgende weitere Maßnahmen sind Koalitionsausschuss beschlossen worden, aber nicht Inhalt des Dritten Corona-Steuerhilfegesetzes:

  • Einen einmaligen Corona-Zuschuss von 150 EUR sollen nun auch erwachsene Grundsicherungsempfänger bekommen. Für plötzlich in Not geratenen Selbstständige und Beschäftigte mit kleinen Einkommen wird der erleichterte Zugang in die Grundsicherung bis Ende 2021 verlängert.
  • Das Rettungs- und Zukunftsprogramm „Neustart Kultur“ wird verlängert. Dazu wird ein Anschlussprogramm mit einer Ausstattung von 1 Mrd. EUR aufgelegt.

 

 

Neue Abschreibung digitaler Wirtschaftsgüter

Was ändert sich?

Grundsätzlich bestimmt sich die Abschreibung von Wirtschaftsgütern nach der Höhe der Anschaffungskosten, die auf die Nutzungsdauer verteilt werden. Die Nutzungsdauer bestimmt sich nach Tabellen der Finanzverwaltung. Bisher war – vereinfacht gesagt – die Nutzungsdauer bei EDV und Software auf 3 Jahre festgelegt. Aufgrund des raschen technischen Fortschritts unterliegen laut BMF diese Wirtschaftsgüter einem immer schnelleren Wandel. Die seit 20 Jahren nicht mehr geprüfte Nutzungsdauer wurde daher angepasst und auf 1 Jahr reduziert. Damit ergibt sich eine deutlich höhere bzw. schnellere Abschreibung.

 

Ab wann gilt die Neuregelung?

Diese Grundsätze sind erstmals anzuwenden für Anschaffungen in Gewinnermittlungszeiträumen, die nach dem 31. Dezember 2020 enden (also bei Kalenderwirtschaftsjahr: Anschaffungen ab 1. Januar 2021).

Für Wirtschaftsgüter, die in früheren Wirtschaftsjahren angeschafft wurden, kann ebenfalls eine Nutzungsdauer von 1 Jahr zugrunde gelegt werden, was die Abschreibung des noch vorhandenen Restbuchwertes zum Beginn des Wirtschaftsjahres bedeutet. Dies gilt für Gewinnermittlungen nach dem 31. Dezember 2020 und ist als Wahlrecht formuliert.

Parallel gelten diese Änderungen nicht nur im betrieblichen Bereich, sondern auch bei Wirtschaftsgütern des Privatvermögens, soweit sie zur Erzielung von Einkünften genutzt werden (z. B. der dienstlich genutzte Laptop eines Angestellten). Damit können Investitionen in EDV deutlich schneller abgeschrieben werden als bisher.

 

Welche Wirtschaftsgüter sind betroffen?

Die Verwaltung definiert den Begriff „Computerhardware“ mit Computer, Desktop-Computer, Notebook-Computer, Desktop-Thin-Clients, Workstations, Dockingstations, externe Speicher- und Datenverarbeitungsgeräte (Small-Scale-Server), externe Netzteile sowie Peripheriegeräte.

Der Begriff „Software“ erfasst Betriebs- und Anwendersoftware zur Dateneingabe und -verarbeitung. Neben Standardanwendungen werden auch auf den individuellen Nutzer abgestimmte Anwendungen erfasst. Das BMF hat einen Katalog mit Begriffsbestimmungen zu den betroffenen Wirtschaftsgütern erstellt, diesen finden Sie hier.

 

Kritik

Es handelt sich bei den in Frage kommenden Wirtschaftsgütern nicht um die klassischen GWG bzw. die Sofortabschreibung. Das bedeutet, dass diese nach wie vor einzeln erfasst werden müssen. Ob eine schnellere Abschreibung Sinn macht, z. B. weil ohnehin bereits ein schlechtes Ergebnis vorliegt, wird man mit den Abschlussarbeiten entscheiden. Die Ausführungen des BMF sprechen von einer Kann-Vorschrift, es besteht also ein Wahlrecht.

Darüber hinaus wird zumindest bei Erstellung einer Bilanz diese steuerliche Vorschrift zu Abweichungen von Handels- und Steuerbilanz und entsprechendem Mehraufwand führen.

Wir werden vorläufig die betroffenen Wirtschaftsgüter wie bisher erfassen und dann im Rahmen des Jahresabschlusses entscheiden, welche Wahlrechte (einschließlich der Restabschreibung für Anschaffungen vor 1. Januar 2021) in Anspruch genommen werden.