Diesen Monat für Sie entworfen:

Benedikt Glück
Wirtschaftsingenieur
benedikt.glueck@dr-schauer.de

 

 

Florian Bumberger
Wirtschaftsfachwirt
Bankkaufmann
florian.bumberger@dr-schauer.de

 

Andreas Koller
Master of Science
andreas.koller@dr-schauer.de

 

 


Die Alchemie des Geldes – Zinsen: Jetzt Darlehenslaufzeiten prüfen!

„Du darfst von deinem Bruder keinen Zins nehmen, weder Zins auf Geld, noch Zins auf Lebensmittel, noch Zins auf irgendetwas, wofür man Zinsen nimmt“ (Dtn 23,20) so heißt es bereits in der Bibel. Zinsen sind damit wesentlich älter als der Kapitalismus und ebenso alt ist auch die Kritik daran. Ohne die theoretische Herkunft der Zinsen zu hinterfragen, sehen wir diese heute als „Leihgebühr“ für Geld. Wichtig ist uns dabei, dass wir möglichst wenig dieser Leihgebühr entrichten müssen. Dabei gibt es eine Vielzahl an Zinstheorien, die allesamt unterschiedliche Erklärungsmodelle liefern. Dazu gehört beispielsweise:

  • Zins als Indikator für einen gesellschaftlichen/wirtschaftlichen Engpass à der Zins sorgt für ein Lenken der Investitionen in genau jene Bereiche, in denen Kapital am dringendsten benötigt wird (im Umkehrschluss bedeutet dies, dass bei einem Negativzins ein Überangebot besteht und desinvestiert werden sollte. Eine nicht ganz unschlüssige Theorie).
  • Zins als Gebühr für die Überlassung von Liquidität à Es wird davon ausgegangen, dass Liquidität immer präferiert wird und ein Geld(=Liquiditäts)geber für diesen Mangel an Liquidität entschädigt wird.
  • Zins als Gebühr für gegenwärtige Kaufkraft im Vergleich zur Kaufkraft in der Zukunft à Konsum in der Gegenwart, wird über Konsum in der Zukunft gestellt (vgl. auch: Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach). Die Differenz aus Taube und Spatz wäre der zu entrichtende Zins.

Welchem Erklärungsmodell man auch folgt, Fakt bleibt, dass wir in einer historischen Niedrigzinsphase leben. Eine mögliche Erklärung ist die Bereitstellung großer Kapitalmengen durch die Zentralbank sowie ein niedriger Leitzins, um die Wirtschaft in Folge der letzten Finanzkriese am Laufen zu halten (und auch um eine Refinanzierbarkeit wirtschaftlich schwächerer Länder in der Eurozone zu gewährleisten). Einmal den Geldhahn aufgedreht, bringt man ihn jetzt nicht mehr so richtig zu.

Was bedeutet das für mich? Ich kann mir Geld zwar ggf. so günstig wie nie leihen (vorausgesetzt ich passe in ein mittlerweile sehr kritisches Ratingraster der Banken), jedoch kaum noch Zinsen erwirtschaften. Sobald die Inflation größer ist als meine Zinserträge, habe ich einen negativen Realzins. Das bedeutet, mein Sparguthaben wird immer weniger Wert. Anders herum bedeutet dies auch, dass Schulden weniger, d.h. „weginflationiert“ werden, was für einige stark überschuldete Staaten eine vage Hoffnung darstellt.

Kaufen oder verkaufen? Viele möchten genau JETZT investieren (womit die Politik der Zentralbank durchaus funktioniert). Allerdings steigt mit der Nachfrage nach Investitionsmöglichkeiten (z.B. Immobilie) auch deren Preis, die damit erzielbaren Renditen sinken und passen sich also dem gesamten Zinsniveau an. An dieser Stelle ist besonders die Zinsbindung zu berücksichtigen. Sollte die Kreditlaufzeit länger als die Zinsbindung sein, besteht (bei „auf Kante genähten“ Finanzierungsmodellen) das Risiko, dass Raten nicht mehr bezahlt werden können, sollte das Zinsniveau signifikant steigen.

Wer gewinnt? Gewinner ist meist, wer sich antizyklisch verhält und z.B. in einer Hochzinsphase kauft (am besten mit Eigenkapital). Da hier zahlreiche Anlagealternativen bestehen, weniger Investitionen getätigt werden und Zwangsverkäufe häufiger werden (vgl. oben), sinkt im Normalfall das Preisniveau für Investitionsgüter (z.B. Immobilien). Mit einem konjunkturellen Aufschwung steigen die Preise und ein Verkauf (z.B. zur Kapitalbeschaffung für den nächsten Zyklus) kann angedacht werden.

Gewinner ist auch, wessen Darlehensvertrag zeitnah ausläuft. Hier können vormals nicht unübliche 4% ggf. gegen ein neues Darlehen mit 1,0 – 2% Zins „umgetauscht“ werden. Vor diesem Hintergrund empfiehlt es sich sehr, bestehende Darlehensverträge zu prüfen und rechtzeitig mit der Bank in Kontakt zu treten.

Gerne stehen wir Ihnen auch zu den Themen Umfinanzierung, Immobilienerwerb sowie langfristige Liquiditätsplanung beratend und unterstützend zur Seite!