Diesen Monat für Sie entworfen:

Benedikt Glück
Wirtschaftsingenieur
benedikt.glueck@dr-schauer.de

 

 

Florian Bumberger
Wirtschaftsfachwirt
Bankkaufmann
florian.bumberger@dr-schauer.de

 

 

Nicole Kaminski
Bankkauffrau
nicole.kaminski@dr-schauer.de

 

 

 

 


 

Stellen wir uns einen kleinen Bach vor. Mit Forellen, Kaulquappen, Krebsen und Köcherfliegenlarven. Der Bach fließt einen Berg hinunter und mündet in einen See. Das Ufer ist voller Badegäste, es gibt einen Eiswagen und ein kleines blaues Dixi-Klo. Menschen und Tiere genießen die Sonne, die auch dafür sorgt, dass das Wasser des Sees laufend verdunstet. Wasserdampf steigt nach oben, wird vom Wind gegen die Bergflanke gedrückt, steigt dadurch weiter nach oben, kondensiert und fällt schließlich als Regen auf jene Bergflanke. Es sammelt sich in kleinen Rinnsalen die sich weiter unten am Hang zu einem Bach formieren. Jenem Bach, in dem Forellen, Kaulquappen, Krebse und Köcherfliegenlarven leben, der in den See fließt, dort verdunstet, aufsteigt, abregnet, zu einem Bach wird, ….

Bis eines Tages zu viel Wasser verdunstet, weil es sehr heiß ist. Besonders viele Badegäste sind an diesem Tag am See. Es wird geplantscht und gespritzt, was für zusätzliche Verdunstung sorgt. Der Eiswagen ist bald schon ausverkauft, das Dixi-Klo bis zur Oberkante gefüllt. Dann braut sich statt der üblichen Regenwolken ein Gewitter zusammen. Oben am Berg beginnt es heftig zu regnen. Menschen flüchten überhastet in ihre Autos, Donnergrollen, Blitze. Einer der Blitze schlägt in einen Baum direkt neben dem Bach ein. Der Baum fällt quer über den Bach. Geröll staut sich, Äste und Schlamm.

So schnell wie das Gewitter aufgezogen ist, so schnell endet es. Bereits am folgenden Tag läuft alles wieder ganz normal. Zumindest beinahe alles, denn im Bach oberhalb des Sees läuft kein Wasser mehr. Es kommen jedoch nach wie vor Badegäste, Wasser verdunstet, regnet ab, bildet Rinnsale und einen kleinen Bach. Doch der umgestürzte Baum staut das Wasser, unterbricht den Kreislauf. Bereits nach wenigen Wochen ist der See im Tal nur noch halb gefüllt. Algen färben das Wasser grün. Einige Kinder, die, die keinen Pool zuhause haben, spielen dort im Schlamm, wo kurz zuvor noch zwei Meter Wasser standen. Erste Fische schwimmen an der Oberfläche. Der Eisverkäufer ist pleite. Das Dixi-Klo wird von einem Lastwagen abgeholt.

Wahrscheinlich fragen Sie sich jetzt, ob der Autor dieses Textes unter Drogen steht. Nein. Vielmehr soll vorstehende Geschichte greifbar machen, was in einer Krise mit unserem Geld passiert. Dabei verhält es sich ein bisschen so wie mit dem Wasser in vorstehendem Beispiel. Es muss fließen, zirkulieren. Die Coronakrise hat ganze Wirtschaftszweige zum absoluten Stillstand gebracht. Und damit auch die Zirkulation des Geldes. Es wird nicht mehr weitergereicht, ist nicht flüssig, „liquide“. Corona wirkt wie ein riesiger Staudamm. Je länger das Wasser gestaut wird, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass der See umkippt, niemand mehr Eis kauft. Das Geld ist nicht „weg“, es ist oberhalb des Staudamms, wo es langsam versickert und „niemandem“ etwas hilft. Aber schauen wir, wie die Geschichte weitergeht.

Die Gemeinde, zu der der See gehört, verzeichnet starke Einbußen. Keine Touristen  keine Einnahmen. Sie beschließt, frisches Wasser in den See zu pumpen. Grundwasserreserven werden angezapft, Schläuche verlegt und schließlich sprudelt klares Wasser (Anm.: Für nähere Informationen zur Beantragung von Überbrückungshilfe können Sie sich gerne an uns wenden!). Die Fische erholen sich, die Algenblüte geht zurück. Auch Familien, die keinen Pool zuhause haben, kommen wieder an den See. Ein neuer Eiswagen taucht auf (eine internationale Kette hat den insolventen Eismann günstig aufgekauft). Und ein Lastwagen kommt, um ein Dixi-Klo abzuladen. Bei diesem Anblick bricht der örtliche Gemeinderat in Jubel aus und beschließt sich zu betrinken. Es wird geplantscht und gespritzt. Wasser verdunstet, steigt auf, regnet ab, formt Rinnsale und einen kleinen Bach und staut sich am umgestürzten Baum. Bald bilden sich dort kleine Risse…

Selbst wenn Corona vorbei ist, wird es noch eine Zeit dauern, bis das Vertrauen in die Wirtschaft wieder hergestellt ist, das Geld wieder ungehindert zirkuliert. Es bleibt zu hoffen, dass dann nicht eine Inflationswelle über uns hereinbricht, während wir fröhlich plantschen, Eis Essen und Dixi-Klos füllen. Als wäre nie etwas gewesen.