Diesen Monat für Sie entworfen:

 

Benedikt Glück
Wirtschaftsingenieur
benedikt.glueck@dr-schauer.de

 

 

Florian Bumberger
Wirtschaftsfachwirt
Bankkaufmann
florian.bumberger@dr-schauer.de

 

Melanie Knöpfle
Bachelor of Arts in Business
Bankkauffrau

 

 

Nicole Kaminski
Bankkauffrau
nicole.kaminski@dr-schauer.de

 

 

 

 


Corona und wirtschaftliche Folgen

Die derzeitige Corona Pandemie ruft physische, psychische und wirtschaftliche Folgen hervor, deren genaue mittel- und langfristige Auswirkungen niemand wirklich prognostizieren kann. Wie sollten wir uns also angesichts dieser Unsicherheit verhalten? Wichtig ist zunächst, den aktuellen Informationsstand zu kennen. Zeit also für eine kurze Bestandsaufnahme im Bereich der Wirtschaft.

Vorstehende Grafik zeigt die Entwicklung des BIP im Vergleich zum Vorjahresquartal (blau) und zum Vorquartal (rot). Es zeigt sich ein klarer Erholungstrend in der zweiten Jahreshälfte 2020. Dies konnten wahrscheinlich die meisten von uns auch „spüren“. Insgesamt wird 2020 von einem Rückgang der Wirtschaftsleistung i.H.v. rund 5% bis 5,5% im Vorjahresvergleich ausgegangen. Welche Folgen der derzeitige Lockdown hat, kann (ohne Glaskugel) nicht final prognostiziert werden. Dabei waren verschiedene Branchen unterschiedlich stark betroffen. Nachfolgende Grafik zeigt die Umsatzentwicklung des Gastgewerbes (ohne Corona-Hilfsleistungen):

Demgegenüber hat es laut Ärztenachrichtendienst (Änd) und AAC Praxisberatung bei Vertragsärzten insgesamt ein Honorarplus in der ersten Coronawelle gegeben (mit Hilfsleistungen!). Der Änd beruft sich auf die Angaben von Frau Stefanie Stoff-Ahnis (Vorstand beim GKV-Spitzenverband) gegenüber der FAZ, wonach im 2. Quartal 2020  ein Honorarplus von 4,2% im Vergleich zum entsprechenden Vorjahresquartal erzielt wurde. Hintergrund dieses Zuwachses waren u.a. der Corona-Schutzschirm sowie bereits seit längerem geplante Honorarerhöhungen wie beispielsweise im Rahmen des Terminservicegesetzes.[1]

Unabhängig von einzelnen Branchen, was hat zur gesamtwirtschaftlichen Erholung im 2. Halbjahr geführt? Zum einen natürlich ein „Aufatmen“ der Bevölkerung und der wiederbelebte Konsum. Zum anderen auch der allgemeine Glaube an ein „wird wieder“. Beides war jedoch nur deshalb möglich, weil über Kurzarbeitergeld, Überbrückungshilfen, Kreditvergaben, usw. die Liquidität weitestgehend aufrechterhalten wurde. Zusammengefasst: Es war Geld zum Ausgeben vorhanden. So haben auch Sie mit Ihren Steuerzahlungen zur Rettung der Wirtschaft, zur Verfügbarkeit von Beatmungsgeräten in Krankenhäusern, zur Absicherung von Kreditmaßnahmen etc. beigetragen. Vielleicht wirft dies ein anderes Licht auf die nächste anstehende Steuervorauszahlung.

Doch die Geldschwemme der EZB in den vergangenen Jahren – und besonders in der Coronakrise –  ist auch mit Vorsicht zu genießen. Trotz massiv ansteigender Geldmengen sehen wir keinen Anstieg der Inflation. Ist dies der gesteigerten Wirtschaftsleistung oder Produktion geschuldet? Obige BIP-Grafik zeigt ganz klar: Nein. Wo ist es also hin, das ganze viele Geld? Experten wie Prof. Sinn vom Ifo-Institut gehen davon aus: Es wird gehortet. Auf Bankkonten (auch den Konten der Banken bei der Bundesbank), unter Kopfkissen, etc.. Die Gefahr besteht nun, dass, sobald die Wirtschaft wieder (hoffentlich) mehr in Fahrt gerät, auch eine Inflationsspirale in Gang kommt. Nämlich dann, wenn das Geld (im tatsächlichen und übertragenen Sinn) unter dem Kopfkissen hervorgeholt wird. Dem interessierten Leser sei ein Vortrag zu diesem Thema von Herrn Prof. Sinn ans Herz gelegt (vgl. https://www.youtube.com/watch?v=L-dCADYr2AM).

Fakt ist: Niemand weiß, wie die Zukunft aussehen wird (Anm.: in einem Experiment haben Affen die Börsenkurse besser vorhergesagt wie Top-Investmentbanker[2]). Wir können nur versuchen, uns bestmöglich und basierend auf dem verfügbaren (wissenschaftlichen) Informationsstand darauf vorzubereiten. Dabei gibt es wahrscheinlichere und unwahrscheinlichere Szenarien. Aber nie eine 100%ige Sicherheit. Wie Sie sich in finanzieller Hinsicht am besten auf die unsichere Zukunft vorbereiten, auch darin sehen wir unseren Beratungsauftrag – sozusagen als Ihre Zukunftsmanufaktur.

Final sei festgehalten, dass – wie nahezu jede statistische Erhebung – auch obige BIP-Kurve die zahlreichen Einzelschicksale von Solo-Selbstständigen, Einzelhändlern, Veranstaltern,… und Gastronomen nicht abbilden kann. Gleiches gilt natürlich auch für die Statistik der Todeszahlen, die mittlerweile zum Teil eine Randnotiz geworden ist. Für die tatsächlich Betroffenen (egal in welcher Art und Weise) wird aus einer abstrakten Größe sehr reales Leid. Es bleibt nur zu hoffen, dass wir im Rahmen unserer eigenen Corona Erfahrungen nicht die Situation „der Anderen“ vergessen. Denn nur so lässt sich eine gemeinsame Zukunft formen.

 

 

[1] https://www.aend.de/; https://www.aac-ag.de/;

[2] https://www.welt.de/finanzen/article115382089/Affen-machen-mehr-Gewinne-als-Investoren.html