Diesen Monat für Sie entworfen:

Dr. Matthias Rothammer
Rechtsanwalt und Partner
Fachanwalt für Medizinrecht
dr.rothammer@dr-schauer.de

 

 

Andrea Freifrau von Bibra
Rechtsanwältin
Fachanwältin für Medizinrecht
andrea.vonbibra@dr-schauer.de

 

 

Anja Bock
Rechtsanwältin
Fachanwältin für Medizinrecht
anja.bock@dr-schauer.de

 

 

 


Hanna Pachowsky
Rechtsanwältin
Master of Health Business Administration (MHBA)
hanna.pachowsky@dr-schauer.de

 


Corona-Bedingte Abrechnungsbesonderheiten in der GOÄ

Anfang Mai haben sich die Bundesärztekammer, der PKV-Verband sowie die Beihilfestellen wegen der coronabedingten Besonderheiten bei der Behandlung von Patienten für den Zeitraum auf folgende Abrechnungsmodifikationen geeinigt:

 

1. Hygienezuschlag

Der durch die Corona-Pandemie bedingte Mehraufwand darf bei einem unmittelbaren, persönlichen Arzt-Patienten-Kontakt und je Sitzung mit einer Analoggebühr nach der Ziffer 245 GOÄ zum 2,3-fachen Satz (entspricht 14,75 EUR) bis zum 31. Juli 2020  abgerechnet werden.

Der PKV-Verband stellte außerdem klar, dass in diesem Fall eine Steigerung des Faktors bei ärztlichen Leistungen mit Begründung des erhöhten Hygieneaufwandes nicht möglich ist. Im Einzelfall kann daher abgewogen werden, ob eine Erhöhung des Faktors für die Praxis lukrativer sein könnte als die Abrechnung der Hygienepauschale. In diesem Fall ist die Steigerung jedoch für jede einzelne Leistung verständlich und nachvollziehbar zu begründen und darf keine Pauschalbegründung enthalten.

 

2. Telefonische Beratung

Außerdem haben sich die Parteien darauf verständigt, dass bei Patienten, die in der aktuellen Krisensituation den Arzt nicht aufsuchen können und bei denen auch keine Video-Sprechstunde möglich ist, bis zum 31. Juli 2020 ein mehrfacher Ansatz der Ziffer 3 GOÄ für längere telefonische Beratungen, je vollendete 10 Minuten, berechnungsfähig ist.

Als Begründung muss dabei aber angegeben werden, dass der Patient wegen der Pandemie nicht persönlich die Praxis aufsuchen konnte und auch ein anderer mittelbarer Kontakt, beispielsweise mit einer Videosprechstunde, nicht möglich war. Auch die Dauer des Telefonats muss in der Rechnung angegeben werden. Diese Leistung nach Ziffer 3 GOÄ ist je Sitzung höchstens viermal und je Kalendermonat ebenfalls höchstens viermal berechnungsfähig. Auch in diesem Fall ist ein Überschreiten des 2,3-fachen Gebührensatzes unter Hinweis auf einen Hygienemehraufwand bei der ärztlichen Leistung selbst ausgeschlossen.

 

3. Berechnung psychotherapeutischer Leistungen per Videoübertragung

Bis 30.06.2020 kann bei psychiatrischen und psychotherapeutischen Erst- und Eingangsuntersuchungen in Ausnahmefällen und unter Rücksicht auf die berufsrechtlichen Sorgfaltspflichten vom Grundsatz des unmittelbaren persönlichen Kontaktes, abgewichen werden. Jedoch nur, wenn es sich aus den Umständen im Rahmen der Corona-Pandemie ergibt. Die Ausnahmesituation ist jedoch zu begründen.