Diesen Monat für Sie entworfen:

 

Dipl.-Kfm.
Dr. Ralf Erich Schauer

Steuerberater, Partner
Fachberater für den Heilberufebereich (IFU/ISM gGmbH)
dr.schauer@dr-schauer.de

 

 


Große Reform der Mehrwertsteuer-Systemrichtlinie – Digitalpaket E-Commerce

 

Die EU-Kommission verfolgt weiterhin ihren Plan für eine große Reform der Mehrwertsteuer- Systemrichtlinie. Grund für die geplante Reform ist die Betrugsanfälligkeit des aktuellen Mehrwertsteuersystems: die Differenz zwischen den tatsächlichen Mehrwertsteuereinnahmen und den theoretisch erwarteten Einnahmen (sog. Mehrwertsteuerlücke).

Eine erste Stufe wurde bereits zum 1. Januar 2019 umgesetzt. Die Umsetzung der zweiten Stufe war ursprünglich zum 1. Januar 2021 vorgesehen, aufgrund der Coronavirus-Pandemie wurde jedoch auf EU-Ebene eine Verschiebung auf den 1. Juli 2021 beschlossen. Durch das am 18. Dezember 2020 vom Deutschen Bundesrat verabschiedete und verkündete Jahressteuergesetzes 2020 (JStG 2020) werden mit Wirkung ab 1. Juli 2021 die Änderungen zur Umsetzung der 2. Stufe des Digitalpakets in das deutsche Recht umgesetzt.

 

Der 1. Teil des Digitalpakets E-Commerce betraf vor allem die Besteuerung von Telekommunikations-, Fernseh- und Rundfunkleistungen sowie von elektronischen Dienstleistungen an Nichtunternehmer über den „Mini-One-Stop-Shop“ („MOSS“ oder auch die „Kleine einzige Anlaufstelle – KEA“ genannt).

 

Mit der am 21.11.2019 beschlossenen 2. Stufe des Digitalpaket E-Commerce werden nun

folgende Maßnahmen umgesetzt:

  • Neue Fernverkaufsregelungen – statt der bisherigen Versandhandelsregelung
  • spezielle Regelungen für Warenlieferungen über elektronische Schnittstellen
  • Erweiterung des MOSS-Verfahrens und Umwandlung in ein „One-Stop-Shop“-Verfahren

(„OSS“ oder auch „Einzige Anlaufstelle“ – EA) für

– von im Ausland ansässigen Unternehmern erbrachte sonstige B2C-Leistungen (unterschiedliche Verfahren für EU- und Nicht-EU-Unternehmer),

– Warenlieferungen in andere EU-Länder

– Lieferungen innerhalb eines Mitgliedstaates über eine elektronische Schnittstelle (d.h. elektronische Marktplätze wie z.B. ebay / amazon oder andere Verkaufsdienstleister im Internet)

– Verkäufe von aus Nicht-EU-Staaten eingeführten Gegenständen in Sendungen mit einem Sachwert von höchstens 150 €

 

Die Neuregelungen sind von den Mitgliedstaaten zum 1.7.2021 (statt wie ursprünglich geplant zum 1.1.2021) umzusetzen. Im deutschen UStG erfolgte die Umsetzung im Rahmen des Jahressteuergesetzes 2020 zum 1.7.2021.

 

 

Ab 1. Juli 2021 treten auch weitere umfangreiche Änderungen beim E-Commerce in Kraft, die auch als Vereinfachungen für Versandhandelsunternehmen gedacht sind, in der Praxis aber vielzählige Implikationen und Anpassungen, insbesondere auch der schuldrechtlichen Vereinbarungen und Preisgestaltung beding. Das „Digitalpaket” (E-Commerce-Paket), dient insbesondere dazu, das Bestimmungs­landprinzip auch im Bereich der Leistungen (also Dienstleistungen und Lieferungen) an Privatpersonen möglichst weitgehend umzusetzen, d.h. eine Umsatzbesteuerung in dem EU-Mitgliedstaat zu erzielen, in dem der Kunde sitzt, also ein Verbrauch stattfindet.

Dies kann dazu führen, dass Unternehmer, die bislang deutsche Umsatzsteuer auf Ihre Waren/Dienstleistungen berechnet haben, künftig ausländische Umsatzsteuer berechnen und abführen müssen.

Um die komplizierte Handhabung der individuellen Regelungen von 28 EU-Mitgliedsstaaten für die Unternehmer zu vereinfachen wurde in jedem EU-Staat eine zentrale Meldestelle für die einschlägigen Verkäufe eingeführt. In Deutschland wird dies über das One-Stop-Shop-Verfahren beim Bundeszentralamt für Steuern abgewickelt.

Unternehmen, die im grenzüberschreitenden innergemeinschaftlichen Versandhandel („Fernverkauf”) tätig sind, d.h. Waren an private EU-Abnehmer (Nichtunternehmer) mit Sitz im EU-Ausland liefern und dorthin transportieren (sog. B2C-Geschäft), können von den Vorteilen des One-Stop-Shop-Verfahrens als spezielles Erfassungs- und Meldeverfahren profitieren. Die Kernpunkte sind dabei insbesondere:

  • Die bisher in den EU-Mitgliedstaaten vorgesehenen, unterschiedlichen Lieferschwellen für den innergemeinschaftlichen Versandhandel, d.h. Lieferungen an Privatkunden mit physischer Warenbewegung in einen anderen EU-Mitgliedstaat, werden abgeschafft. Der Schwellenwert von 10.000 Euro (netto) gilt ab 1. Juli 2021 europaweit einheitlich auch im Rahmen des grenzüberschreitenden innergemeinschaftlichen Fernverkaufs und zwar für alle getätigten Lieferungen insgesamt, unabhängig davon, in welches EU-Land die Lieferung erfolgt. Zudem gibt es Erleichterungen bei der Abgabe und den Angaben einer One-Stop-Shop-Umsatzsteuererklärung. Die Erklärungen müssen zudem nicht mehr bis zum 20. Tag nach Ablauf des jeweiligen Besteuerungszeitraums eingereicht werden, sondern dann bis zum 30.Tag. Meldungen über das One-Stop-Shop-Verfahren sind für Umsätze ab 1. Juli 2021 möglich; betroffenen Unternehmern empfehlen wir jedoch, sich rechtzeitig vorab beim Bundeszentralamt für Steuern für das Verfahren zu registrieren. Dies ist seit 1. April 2021 möglich. Eine rückwirkende Registrierung kann nicht vorgenommen werden!

 

  • Im Bereich der „Fernverkäufe” aus Nicht-EU-Staaten soll mit Bezug auf deutsches Recht die derzeit vorgesehene Umsatzsteuerbefreiung für die Einfuhr von Kleinsendungen bis 22 Euro entfallen. Stattdessen gilt das neue System der Besteuerung von bestimmten Importen (Warensendungen) bis 150 Euro (netto), wofür das IOSS-Verfahren Anwendung finden kann.

 

  • Weiter bestehen neue komplexe Sonderregelungen für die Entrichtung der Einfuhrumsatzsteuer auf Sendungen mit einem Sachwert von höchstens 150 Euro, in denen sog. Zusteller am Warenverkehr beteiligt sind. Die eingeführten Sonderregelungen sollen die Erhebung der Einfuhrumsatzsteuer bei der Einfuhr von Sendungen mit einem Sachwert von höchstens 150 Euro aus Nicht-EU-Staaten in Fällen vereinfachen, in denen das besondere Besteuerungsverfahren nicht genutzt wird und die Gegenstände im EU-Mitgliedstaat des Verbrauchs eingeführt werden. Die Regelung gilt nicht für Sendungen, die verbrauchsteuerpflichtige Waren enthalten.

Auf EU-Ebene zeigt sich durch diese zeitnahe Umsetzung des Digitalpakets / E-Commerce-Pakets die priorisierte Umsetzung der Strategie zum digitalen Binnenmarkt. Durch die Ausdehnung der Anwendbarkeit der zentralen Anlaufstelle (One-Stop-Shop) werden insbesondere Online-/Versandhändler von der Pflicht befreit, sich in jedem EU-Mitgliedstaat ihrer Kunden umsatzsteuerlich registrieren zu lassen.

 

Rückblick: Versandhandelsregelung § 3c UStG bis 30.6.2021

Bisher sind Warenverkäufe in andere EU-Staaten an Abnehmer, die keinen innergemeinschaftlichen Erwerb versteuern (d.h. vornehmlich Verbraucher), im Bestimmungsland umsatzsteuerpflichtig, wenn der Lieferant die Ware befördert oder versendet (kein Abholfall) und entweder mit diesen Lieferungen die maßgebende Lieferschwelle des jeweiligen Bestimmungsmitgliedstaats überschreitet oder auf deren Anwendung verzichtet (§ 3c Abs. 1-4 UStG). Lediglich der Verkauf neuer Fahrzeuge und verbrauchsteuerpflichtiger Waren sind unabhängig von einer Lieferschwelle immer im Bestimmungsland zu versteuern (§ 3c Abs. 5 UStG).

 

Diese sog. Versandhandelsregelung kommt bisher nur bei Beförderung oder Versendung

durch den Lieferanten (nicht bei Abholfällen) zur Anwendung, wenn der Lieferer die im jeweiligen Bestimmungsland geltende Lieferschwelle

 

im Vorjahr überschritten hat oder

– im laufenden Jahr überschreitet oder

– auf deren Anwendung verzichtet.

 

In Deutschland beträgt die Lieferschwelle 100.000 €. Bei Lieferungen in andere EU-Mitgliedstaaten ist die in dem jeweiligen Staat geltende Lieferschwelle maßgebend

→ Abschn. 3c.1 Abs. 3 UStAE

 

Unser Rat:

Wann sollten Sie tätig werden?

Wenn Sie Waren in nennenswertem Umfang ins EU-Ausland an Erwerber verkaufen, die im Zielland nicht der Umsatzbesteuerung unterliegen – insbesondere Endverbraucher, sog. B2C-Geschäfte – oder elektronische Dienstleistungen an diesen Kundenkreis erbringen und somit die Wahrscheinlichkeit besteht, dass der Wert der EU-Verkäufe 10.000,- EUR netto übersteigt, sollten Sie eine Registrierung für das OSS-Verfahren beim Bundeszentralamt für Steuern in Erwägung ziehen, und zwar unabhängig davon, ob Sie die Waren direkt, z.B. über eine eigene Website, oder über elektronische Schnittstellen (Online-Marktplätze) vertreiben.

Von den neuen Regelungen können Sie auch betroffen sein, wenn Ihr Unternehmen seinen Sitz im Ausland hat oder Sie für Ihre Lieferungen Waren verwenden, die im Ausland lagern.

Sind Sie unsicher, ob Sie von den neuen Regelungen betroffen sind, kontaktieren Sie uns gerne. Gemeinsam analysieren wir Ihre individuelle Situation und finden den für Sie optimalen Weg.

Diesen Monat für Sie entworfen:

Prof. Dr. Nikolaus Kastenbauer
Steuerberater, Rechtsanwalt, Partner
Fachberater Gesundheitswesen
dr.kastenbauer@dr-schauer.de

 

 


Corona & Kurzarbeit: Was passiert mit dem Urlaubsanspruch?

 

Grundsätzlich hat jeder Arbeitnehmer einen Mindestanspruch von 4 Wochen bezahlten Urlaub im Kalenderjahr. Eine gesetzliche Regelung, wie sich der Urlaubsanspruch bei Kurzarbeit berechnet, fehlt jedoch in Deutschland. Das Bundesarbeitsgericht hat sich mit dieser Frage bisher noch nicht beschäftigen müssen, und dieses nun äußerst aktuelle Thema ist damit noch nicht höchstrichterlich geklärt.

Das Landesarbeitsgericht Düsseldorf hat nun in einer aktuellen Entscheidung (Urteil vom 12. März 2021 – 6 Sa 824/20, nicht rechtskräftig, Revision zum BAG zugelassen) zumindest für jeden vollen Monat der Kurzarbeit „null“, also wenn der Mitarbeiter tatsächlich gar keine Arbeit geleistet hat, die Kürzung des Urlaubsanspruchs um 1/12 vorgenommen.

Bislang noch nicht gerichtlich geklärt ist die Frage, ob und gegebenenfalls inwieweit eine Kürzung zulässig ist, wenn in Zeiten von Kurzarbeit zwar weniger gearbeitet wurde, jedoch keine Kurzarbeit „null“ angeordnet war.

Nach der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs werden Arbeitnehmer in Kurzarbeit mit vorübergehend teilzeitbeschäftigten Arbeitnehmern gleichgesetzt. Wenn ein Mitarbeiter während Kurzarbeit also arbeitet, sich jedoch die Zahl seiner Arbeitstage reduziert hat (beispielsweise von einer 5-Tage-Woche auf eine 3-Tage-Woche), wäre der Urlaubsanspruch danach anteilig zu berechnen. Allerdings nur dann, wenn ganze Arbeitstage in einer Woche wegfallen. Reduzieren sich lediglich die täglichen Arbeitsstunden, bleibt der Urlaubsanspruch gleich.

Wie die deutsche Rechtsprechung dies handhaben wird, insbesondere bei einer sich im laufenden Monat ändernden Anzahl der Wochenarbeitstage bleibt abzuwarten. Aller Voraussicht nach wird sicher ebenfalls eine anteilige Kürzung des Urlaubsanspruchs vorgenommen werden dürfen, womöglich aber auch nur für jeden vollen Monat, in dem sich die Wochenarbeitstage reduziert haben, also keine Aufsplittung nach Wochen der reduzierten Arbeitszeit.

Ebenfalls noch nicht abschließend geklärt ist die Frage, ob sich der Urlaubsanspruch automatisch verringert oder ob der Arbeitgeber die Mitarbeiter über die Kürzung unterrichten muss. Es spricht viel für ein aktives Unterrichten durch den Arbeitgeber, insbesondere die Ähnlichkeit mit der Urlaubskürzung für Zeiten der Elternzeit. Diese bedarf auch einer Erklärung durch den Arbeitgeber.

Wir empfehlen Ihnen daher, die Kürzung des Urlaubsanspruchs ausdrücklich gegenüber den betroffenen Arbeitnehmern zu erklären. Dies kann mit der jährlichen Verpflichtung des Arbeitgebers zur Erklärung über noch bestehenden Urlaubsansprüche verknüpft werden.

 

Wichtiger Hinweis!

Unterschrift auf Stundennachweisen für Kurzarbeitergeld

 

Sollten Sie für Ihre Mitarbeiter Kurzarbeitergeld (KUG) beantragt haben, gilt es einige Besonderheiten und Aufzeichnungspflichten während der Bezugsphase des Kurzarbeitergeldes zu beachten.

Die Arbeitsagenturen fordern die Aufzeichnung der ausgefallenen Stunden.

Vielleicht haben Sie mitbekommen, dass die Agenturen für Arbeit derzeit bereits die Abschlussprüfung des Bezugs von Kurzarbeitergeld vorbereiten. Für alle Kalendermonate, in denen Kurzarbeitergeld zunächst vorläufig gezahlt wurde, wird dann abschließend über die Ansprüche und Höhe der Leistungen entschieden. Hierfür sind bereits teilweise Anforderungsschreiben der Arbeitsagenturen bei Ihnen eingegangen.

Unter anderem wird darin gefordert, die Arbeitszeitnachweise bereit zu halten. Wir gehen aktuell davon aus, dass die Prüfer zumindest auf die Unterschrift des Mitarbeiters auf diesem Nachweis bestehen werden. Fehlt die Unterschrift, besteht die Gefahr, dass die Voraussetzungen zur Gewährung des Kurzarbeitergeldes nicht vorliegen und erhaltene Gelder im schlimmsten Fall zurückzuzahlen sind.

Wir bitten Sie daher, für bereits geleistete Kurzarbeit sicherzustellen, dass die Mitarbeiter auf den Arbeitszeitnachweisen unterschrieben haben. Sollte dies nicht der Fall sein, sollten Sie dies nachholen und die Listen zu Ihren Unterlagen zu nehmen.

Diesen Monat für Sie entworfen:

Dipl.-Kfm. (univ.) Michael A. Witschel
Steuerberater
Partner
Fachberater für den Heilberufebereich (IFU/ISM gGmbH)
Zertifizierter Berater für die Immobilienbesteuerung und Immobilienverwaltung (IFU/ISM gGmbH)
michael.witschel@dr-schauer.de

 


Prüfung Kurzarbeit: Wie Unternehmen sich vorbereiten

Auch wenn noch nicht alles rund läuft: Das Impfprogramm gegen Sars-CoV-2 ist angelaufen. Die Welt hofft auf ein Ende der Pandemie und die Rückkehr zur Normalität.

Doch der Weg ist noch weit. Vor allem der Mittelstand könnte noch lange unter den Folgen des Corona-Schocks leiden.

Die Politik hat zwar keine Kosten gescheut, um Unternehmen und Arbeitsplätze zu erhalten. Gerade die Verlängerung und der vereinfachte Bezug von Kurzarbeitergeld haben sich in der Krise eindrucksvoll bewährt.

Allein im November 2020 waren nach Angaben des Münchner Ifo-Instituts rund 1,98 Millionen Personen in Deutschland in Kurzarbeit. Im April 2020 zählte die Bundesagentur für Arbeit sogar rund sechs Millionen und diese Kräfte stehen Unternehmen im zu erwartenden Aufschwung nach der Krise weiterhin zur Verfügung.

Doch für einige Unternehmen, die die staatliche Unterstützung genutzt haben, kann trotzdem ein dickes Ende drohen. Denn Staatsanwaltschaften, Zoll und die Bundesagentur für Arbeit schicken gerade ihre Prüfer los, um Missbrauch beim Kurzarbeitergeld aufzudecken.

Ihre Trefferquote könnte hoch sein. Denn legt man die Erfahrungswerte der Finanzkrise 2008/2009 zugrunde, müssen derzeit rund 13.000 Arbeitgeber mit Untersuchungen und auch mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen, wie aus diversen Schätzungen vorher geht.

Gerade im Mittelstand seien in der akuten Krise oft verhängnisvolle Fehler gemacht worden, etwa, weil der Arbeitgeber die Kurzarbeit schlicht „angeordnet“ habe, ohne, wie gesetzlich vorgesehen, erst Urlaubs- und Freizeitguthaben aufzubrauchen.

Auf diese Fallstricke haben wir Sie bekanntermaßen wiederholt im vergangenen Jahr hingewiesen, um Sie bestmöglich für solche Situation zu rüsten.
Auch gewisse Mitnahmeeffekte sind immer wieder zu beobachten. Sorgen machen muss sich unter anderem der Geschäftsführer einer mittelständischen IT-Beratung aus Süddeutschland. Aus nachvollziehbaren Gründen will er weder seinen noch den Namen seines Unternehmens in der Presse lesen. Denn als er seine Mitarbeiter im März 2020 in Kurzarbeit geschickt hatte, konnte er sich über zu wenig Arbeit beileibe nicht beschweren. Dennoch beantragte er staatliche Hilfen.

 

Arbeitszeiten falsch dokumentieren – was Mitarbeitern bei einer Prüfung droht

Dieser Ansatz könnte sich als Fehler erweisen. Denn wer die staatliche Hilfe zu Unrecht beantragt hat, muss nicht nur das erhaltene Kurzarbeitergeld zurückzahlen.

Je nach Art und Schwere des Falles drohen auch Geldbußen von bis zu zehn Millionen Euro, Geldstrafen oder sogar Freiheitsstrafen. Im Fokus der Behörden stehen in der Regel die Antragsteller beziehungsweise die Geschäftsleitung der Unternehmen.

Auch die Belegschaft kann hier in den Fokus geraten. Arbeitnehmer, die sich mit der Kurzarbeit einverstanden erklären, obwohl in Wahrheit gar nicht kurzgearbeitet wird, und zum Beispiel Arbeitszeiten falsch dokumentieren, können als sogenannte ‚Gehilfen‘ belangt werden.

In einer solchen Konstellation kann das Entdeckungsrisiko für Arbeitgeber noch einmal steigen: Denn um an entsprechende Informationen zu gelangen, nutzen die Behörden alle Kanäle.

Und damit auch Anzeigen von Arbeitnehmern, die sich zum Beispiel wegen einer Entlassung im Streit mit dem Arbeitgeber befinden. Viele Beschäftigte wollen aber auch einfach ihr Gewissen erleichtern – oder agieren zum eigenen Nutzen.

Denn wer von sich aus einen Missstand in Sachen Kurzarbeitergeld anzeigt, darf zumindest auf eine Strafmilderung in eigener Sache hoffen. Denkbar ist es überdies, dass Gewerkschaften oder Wettbewerber ein Unternehmen anzeigen.

Des Weiteren könnten Rechtsverstöße im Rahmen von Betriebsprüfungen aufkommen. Die Agentur für Arbeit setzt zudem eine spezielle Software ein, die Missbrauchsfälle anhand bestimmter Muster aufdecken kann.

 

Kurzarbeit: Voraussetzungen prüfen und dokumentieren

Unternehmen, die bei einer Prüfung Probleme vermeiden wollen, sollten sich umfassend vorbereiten und sämtliche Voraussetzungen der Kurzarbeit inklusive der Formalia prüfen und dokumentieren. Hierfür verweisen wir nur vorsorglich auf unsere letztjährigen Newsletter in dem Zusammenhang.

Wichtig ist insbesondere, dass alle Anforderungen für eine rechtmäßige Kurzarbeit tatsächlich erfüllt sind beziehungsweise waren. Kernelement ist dabei ein erheblicher und vor allem unvermeidbarer Wegfall von Arbeit.

Hier kann es dann zu Problemen kommen, wenn nicht klar ist, ob der Arbeitsausfall wirklich auf die Pandemie zurückzuführen ist. Denn während etwa bei Friseuren oder Gastronomiebetrieben die Dinge eindeutig sind, müssen Unternehmen, die schon vor der Pandemie Schwierigkeiten hatten, mit unangenehmen Fragen rechnen.

Gleiches gilt für Betriebe wie die beispielhaft erwähnte IT-Beratung aus Süddeutschland, deren Auftragsbücher vor und nach der Kurzarbeit unterschiedslos gefüllt waren.

 

Kurzarbeitergeld zu Unrecht bezogen – was tun?

Steht die Befürchtung im Raum, dass ein Unternehmen zu Unrecht Kurzarbeitergeld bezogen hat, bleibt noch die Möglichkeit zur Schadensbegrenzung. Dafür müssen Unternehmen den Vorgang noch einmal genau aufrollen und analysieren, ob womöglich auch ein Verstoß gegen sozialversicherungs- und steuerrechtliche Vorgaben im Raum steht.

Ist diese Bewertung abgeschlossen, sollte es allerdings schnell gehen. Denn nur eine unverzügliche Korrektur vor der Entdeckung durch die Behörden kann die gewünschte Strafmilderung bewirken oder im besten Fall die Verfolgung an sich verhindern.

Denkbar ist es zum Beispiel, die eigenen Fehler in einer koordinierten Aktion sowohl gegenüber der Agentur für Arbeit als auch gegenüber der Sozialversicherungsbehörde und dem Finanzamt offenzulegen. Wer hingegen trotz der Erkenntnis, dass ihm das Kurzarbeitergeld eigentlich nicht zusteht, weitermacht wie bisher, handelt spätestens ab diesem Zeitpunkt vorsätzlich.

 

Vorbereitung auf die Prüfung

Rechtssichere Dokumentation
Ermittler nehmen bei Untersuchungen vor allem Unterlagen beziehungsweise Daten von Mitarbeitern unter die Lupe – zum Beispiel Arbeitspläne, Stundenzettel, Arbeitsnotizen, E-Mails und Outlook-Termine. Sie sollten erkennbar widerspiegeln, dass Kurzarbeit angeordnet wurde und die Arbeitszeiten eingehalten wurden. Lässt sich hingegen aus den Aufzeichnungen ablesen, dass Arbeitnehmer im Rahmen der Kurzarbeit Überstunden gemacht haben und der Chef das zumindest geduldet hat, sind kritische Rückfragen seitens der Behörden nicht auszuschließen.

Kritische Analyse
Wer Kurzarbeitergeld beantragt, muss nachweisen, dass der Arbeitsausfall unvermeidbar war. Das kann schwierig sein, etwa wenn ein Unternehmen nicht offensichtlich einer von Corona betroffenen Branche angehört. Wer in solchen Konstellationen auf sinkende Auftragseingänge verweist, muss mit Problemen rechnen. Idealerweise sollten auch Stornierungen und andere Faktoren, etwa gesunkene Produktionsmengen, dokumentiert werden.

Diesen Monat für Sie entworfen:

 

Dipl.-Kfm.
Dr. Ralf Erich Schauer

Steuerberater, Partner
Fachberater für den Heilberufebereich (IFU/ISM gGmbH)
dr.schauer@dr-schauer.de

 

 


Wir sind stolz „Exzellenter Arbeitgeber 2021“ zu sein!

Bei der Steuerberatung geht es nur um nackte Zahlen?!

Falsch: Die menschliche Komponente spielt bei einer guten Steuerberatung eine wichtige und immer wichtigere Rolle: Denn ein tiefgreifendes Verständnis für die Wünsche, Herausforderungen und Sorgen unserer Mandanten sind die Grundlage dafür, diese wirklich individuell beraten zu können.

Darum investieren wir bei Dr. Schauer seit jeher vor allem in unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Also in die Menschen, die sich tagtäglich maßgeblich um die Belange unserer Mandanten kümmern. Eine Investition, von der wir überzeugt sind, dass sie sich lohnt. Bei uns herrscht eine gute und positive Arbeitsatmosphäre bei der alle Mitarbeiter respektvoll, freundlich und nachsichtig miteinander umgehen.

Was macht uns als Kanzlei zum »Exzellenten Arbeitgeber«?

Exzellente Arbeitgeber sind Kanzleien, die ihren Mitarbeitern ein ausgezeichnetes Arbeitsumfeld bieten:

Dazu zählen beispielsweise

  • die Unterstützung bei der Fort- und Weiterbildung
  • ein angenehmes Arbeitsklima und Teamgeist
  • eine faire Vergütung
  • die Möglichkeit für flexible und familienfreundliche Arbeitszeitmodelle
  • gemeinsame Team Events

und noch vieles mehr…

Für uns ist diese Auszeichnung eine großartige Bestätigung, die uns motiviert, auch weiterhin alles für Sie zu geben!

 

Diesen Monat für Sie entworfen:

Dipl.-Kfm. (univ.) Michael A. Witschel
Steuerberater
Partner
Fachberater für den Heilberufebereich (IFU/ISM gGmbH)
Zertifizierter Berater für die Immobilienbesteuerung und Immobilienverwaltung (IFU/ISM gGmbH)
michael.witschel@dr-schauer.de

 


Gesamtübersicht zu den finanziellen Corona-Hilfen

 

Die IHK für München und Oberbayern hat eine umfassende Übersicht zu den Corona-Förderprogrammen erstellt. In der Aufstellung finden Sie die wichtigsten Informationen zu den Förderprogrammen – u.a. zu Fristen, Kriterien der Antragsberechtigung oder auch dem Förderumfang.

 

Nachfolgende Tabelle können Sie hier als PDF herunterladen.

 

Hilfe für von den erweiterten Schließungen betroffene Unternehmen (verbesserte Überbrückungshilfe III)

Für die von den zusätzlichen Schließungs-Entscheidungen vom 13. Dezember 2020 erfassten Unternehmen werden Zuschüsse zu den Fixkosten gezahlt. Dazu wird die ausgeweitete und bis Ende Juni 2021 geltende Überbrückungshilfe III entsprechend angepasst und nochmals verbessert. Antragsberechtigt sind Unternehmen, Soloselbständige und selbständige Angehörige der freien Berufe mit einem Jahresumsatz von bis zu 500 Millionen Euro (im Folgenden „Unternehmen“). Sie können die verbesserte Überbrückungshilfe III erhalten. Diese sieht eine anteilige Erstattung der betrieblichen Fixkosten vor. Der Erstattungsbetrag beträgt in der Regel 200.000 Euro, in besonderen Fällen bis zu 500.000 Euro.

 

Erstattung der Fixkosten

Erstattungsfähig sind Fixkosten entsprechend des Kostenkatalogs der Überbrückungshilfe III – also insbesondere Mieten und Pachten, Finanzierungskosten, Abschreibungen bis zu einer Höhe von 50 Prozent sowie weitere fortlaufende betriebliche Fixkosten. Die Erstattung der Fixkosten erfolgt in Abhängigkeit vom Umsatzrückgang während des betreffenden Kalendermonats, typischerweise im Vergleich zum entsprechenden Monat im Jahr 2019:

  • Bei Umsatzrückgängen zwischen 30 und 50 Prozent werden 40 Prozent der Fixkosten erstattet,
  • bei Umsatzrückgängen zwischen 50 und 70 Prozent werden 60 Prozent der Fixkosten erstattet und
  • bei Umsatzrückgängen von mehr als 70 Prozent werden 90 Prozent der Fixkosten erstattet. Beträgt der Umsatzrückgang weniger als 30 Prozent erfolgt keine Erstattung.

 

Zusätzlich antragsberechtigte Unternehmen

Zusätzlich antragsberechtigt für den Zeitraum der Schließungsanordnungen sind:

  • Unternehmen, die im Dezember von den zusätzlichen Schließungen direkt oder indirekt betroffen sind (1.),
  • Unternehmen, die im neuen Jahr weiter von den am 28. Oktober bzw. den jetzt neu vereinbarten Schließungen betroffen sind (2.) und
  • diejenigen Unternehmen, die zwar nicht geschlossen sind, aber auch im neuen Jahr erhebliche Umsatzeinbußen haben (3.):

 

1. Neu geschlossene Unternehmen im Dezember 2020 (insb. Einzelhandel)

Die Überbrückungshilfe III steht im Dezember 2020 für die Unternehmen zur Verfügung, die aufgrund des Beschlusses der Bundeskanzlerin und der Regierungschefinnen und Regierungschefs der Länder vom 13. Dezember 2020 im Dezember zusätzlich geschlossen werden.

Der Kreis der antragsberechtigten Unternehmen umfasst sowohl die direkt geschlossenen Unternehmen wie auch diejenigen Unternehmen mit einem sehr starken Geschäftsbezug zu den direkt geschlossenen Unternehmen (indirekt Betroffene).

Für diese Unternehmen gilt ein Förderhöchstbetrag von 500.000 Euro pro Monat. Es sollen Abschlagszahlungen entsprechend der Regelungen der außerordentlichen Wirtschaftshilfen (maximal 50.000 Euro) ermöglicht werden.

 

2. Geschlossene Unternehmen in 2021

Die Überbrückungshilfe III steht für den Zeitraum der Schließungen im ersten Halbjahr 2021 für diejenigen Unternehmen in den Monaten zur Verfügung, in denen sie aufgrund der Beschlüsse der Bundeskanzlerin und der Regierungschefinnen und Regierungschefs der Länder auch im Jahr 2021 im betreffenden Monat geschlossen bleiben (bzw. indirekt von den Schließungen betroffen sind).

Der Kreis der antragsberechtigten Unternehmen entspricht ebenso wie die Förderhöchstsummen den unter 1. dargestellten Konstellationen (Förderhöchstbetrag 500.000 Euro pro Monat). Es sollen Abschlagszahlungen vorgesehen werden.

 

3. Unternehmen mit Umsatzrückgängen

Antragsberechtigt für die Überbrückungshilfe III sind schließlich diejenigen Unternehmen, die zwar nicht geschlossen und im engeren Sinne direkt oder indirekt betroffen sind, aber dennoch besonders hohe Umsatzrückgänge während der Zeit der Schließungsanordnungen zu verzeichnen haben.

Schon bisher sieht die Überbrückungshilfe III daher für November und Dezember 2020 vor, dass Unternehmen für diese beiden Monate antragsberechtigt sind, die einen Umsatzrückgang im Vergleich zum Vorjahresumsatz von 40 Prozent aufweisen. Diese Regelung wird für das erste Halbjahr 2021 verlängert, so dass Unternehmen anspruchsberechtigt sind, deren Umsatz im Vergleich zum Umsatz des Vergleichsmonats des Jahres 2019 um 40 Prozent zurückgegangen ist. Ihnen steht dann die Überbrückungshilfe III für den Schließungsmonat zu.

Hier liegt die Obergrenze für die Fixkostenerstattung bei den in der Überbrückungshilfe III üblichen 200.000 Euro pro Monat.

 

 

Weitergeltung der Überbrückungshilfe III

Diese Sonderregelung ergänzt die im Übrigen geltende Zugangsberechtigung zur Überbrückungshilfe III, die sich am Umsatzrückgang im Jahr 2020 orientiert.

Es gilt weiterhin, dass Unternehmen, die von April bis Dezember 2020 einen Umsatzrückgang von entweder 50 Prozent an zwei aufeinanderfolgenden Monaten oder von 30 Prozent im Gesamtzeitraum April bis Dezember 2020 im Vergleich zum entsprechenden Zeitraum 2019 zu verzeichnen hatten, grundsätzlich im gesamten ersten Halbjahr 2021 antragsberechtigt sind.

Die prozentuale Erstattung der Fixkosten für den Förderzeitraum ist abhängig vom konkreten Umsatzrückgang im betreffenden Monat 2021 (40 bis 90 Prozent, siehe oben). Es gilt die übliche Obergrenze von 200.000 Euro pro Monat.

 

Kosten der erweiterten Überbrückungshilfe III

Die Kosten der so erweiterten Überbrückungshilfe III werden während eines Monats mit angeordneten Schließungen auf etwa 11,2 Milliarden Euro geschätzt. Die Kosten in Monaten ohne angeordneten Schließungen sind geringer.

Diesen Monat für Sie entworfen:

Prof. Dr. Nikolaus Kastenbauer
Steuerberater, Rechtsanwalt, Partner
Fachberater Gesundheitswesen
dr.kastenbauer@dr-schauer.de

 

 


Das (neue) A+O der Lohnabrechnung

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

Sie haben die Kanzlei Dr. Schauer als eine der Vorreiterkanzleien in der Digitalisierung kennen- und schätzen gelernt. Der Datenaustausch zwischen Ihnen als Unternehmer und der Kanzlei funktioniert – wenn gewollt – weitestgehend papierlos über Unternehmen Online und vielleicht auch schon über die kanzleieigene Dr. Schauer App, mit der Sie den Beleg abfotografieren und direkt in die Buchhaltung schicken können.

Sie haben die App noch nicht? Laden Sie sich diese doch gleich entweder im App Store oder Google Play Store runter.

Die Digitalisierung macht jedoch nicht an dieser Stelle bereits stopp. Auch die Kommunikation mit Ihren Mitarbeitern kann digital passieren. Mit Arbeitnehmer online „Meine Abrechnungen“ der DATEV ist es möglich, Ihren Arbeitnehmern Lohn- und Gehaltsdokumente, wie z. B. die Brutto/Netto-Abrechnung oder die Lohnsteuerbescheinigung, online zur Verfügung zu stellen statt wie bisher auf Papier.

Sowohl Ihr Unternehmen als auch Ihre Mitarbeiter profitieren von diesem Angebot. So sparen Sie beispielsweise Kosten für Druck und Porto und auch der Arbeitsaufwand für die Verteilung der Brutto/Netto-Abrechnungen entfällt. Für Ihre Mitarbeiter bedeutet Arbeitnehmer online „Meine Abrechnungen“ mehr Flexibilität, denn sie können jederzeit auf ihre Lohn- und Gehaltsdokumente zugreifen. Die lästige Ablage in Ordnern gehört der Vergangenheit an. Für die nötige Sicherheit ist natürlich gesorgt: Die Daten liegen geschützt im DATEV-Rechenzentrum in Nürnberg.

Zudem stellen zwei unterschiedliche Zugangsverfahren zum Portal sicher, dass nur der jeweilige Mitarbeiter auf seine Daten zugreifen kann. Entweder die Mitarbeiter nutzen eine TAN, die per SMS auf das vorab registrierte Mobilfunkgerät gesendet wird oder sie weisen sich mit dem neuen Personalausweis aus. Dabei kann für jeden Mitarbeiter individuell festgelegt werden, mit welchem Verfahren sich in Arbeitnehmer online angemeldet wird.

Hiermit wollen wir Sie daher einladen, die Kommunikation mit Ihrem Steuerberater auch für Ihre Mitarbeiter vollständig digital werden zu lassen. Sollten sie Arbeitnehmer online „Meine Abrechnungen“ noch nicht für sich und Ihre Mitarbeiter entdeckt haben, nutzen Sie „die Gunst der Stunde“. Aus DATEV Kreisen soll gesickert sein, dass auch DATEV bestrebt ist, den ökologischen Fußabdruck durch Papierreduzierung zu verkleinern. Geplant soll daher sein, dass für die bisherige Bereitstellung der monatlichen Lohnabrechnungen ein erhöhtes Entgelt veranschlagt wird. Kommen Sie dem zuvor und steigen Sie um auf Arbeitnehmer online!

Wir selbst nutzen es in der Kanzlei und unsere Mitarbeiter sind hoch zufrieden – und die Natur freut sich auch ein Stück weit mehr.

Diesen Monat für Sie entworfen:

 

Dipl.-Kfm.
Dr. Ralf Erich Schauer
Steuerberater
Partner
Fachberater für den Heilberufebereich (IFU/ISM gGmbH)
dr.schauer@dr-schauer.de

 

 


Datev – Digitale Kanzlei

Wir haben allen Grund zum Feiern! Seit vielen Jahren verfolgen wir konsequent unsere Digitalisierungsstrategie. Nun sind wir von der DATEV mit dem Label „Digitale Kanzlei 2020“ ausgezeichnet worden. Wir werden alles daran setzen, uns stetig weiter zu entwickeln, um im digitalen Zeitalter weiterhin ganz vorne mit dabei zu sein.

Die DATEV eG vergibt das Label an Kanzleien, die durch eine konsequente digitale Zusammenarbeit mit ihren Mandanten auffallen. Anhand definierter Kriterien prüft die Genossenschaft mithilfe einer Software den Grad der Digitalisierung in den Bereichen Rechnungswesen, Steuern und Lohn. Diese Kriterien ändern sich jährlich, weswegen die Kanzleien diesen Prozess stets neu durchlaufen müssen. Das Label Digitale DATEV-Kanzlei garantiert somit auch, dass die entsprechenden Kanzleien beim Thema Digitalisierung up to date sind.

 

Ihre Vorteile bei der Zusammenarbeit mit uns als Digitale Kanzlei:

  • Die durchgängige digitale Zusammenarbeit zwischen Kanzlei, Unternehmen und Dritten reduziert administrative Tätigkeiten in Ihrem Unternehmen.
  • Manuell erzeugte Fehler werden ausgeschlossen und Daten stehen schneller und genau zur Verfügung. Damit haben digitale Prozesse beim Bankbuchen positive Auswirkungen auf die Liquidität Ihres Unternehmens.
  • Wir arbeiten bereits professionell digitalisiert und können Sie dadurch bei der Umstellung auf digitale Prozesse optimal unterstützen.
  • Das konsequente Leben digitaler Prozesse im Lohn ermöglicht die elektronische Erfassung und Verwaltung Ihrer Lohndaten sowie Datenübermittlung an alle Institutionen. Auch das Führen einer volldigitalen Personalakte ist möglich.
  • Anfragen können schnell bearbeitet werden, weil wir auf Ihre relevanten Daten direkt und schnell zugreifen können.
  • Verstärkte Nutzung von digitalen Lösungen im Bereich Rechnungen. Damit entfällt die Papierrechnung, das Versenden und das Einscannen. Rechnungen werden digital, direkt und ohne manuelle Brüche in die Finanzbuchhaltung eingelesen
  • Konsequente Nutzung von Schnittstellen aus Fremdsystemen bzw. Vorerfassungssystemen.
  • Sie haben entscheidungsrelevante Informationen zur Steuerung Ihres Unternehmens immer selbst im Zugriff.

Diesen Monat für Sie entworfen:

Anja Geigl
Steuerberaterin
Fachberaterin für den Heilberufebereich (IFU/ISM gGmbH)
Zertifizierte Wirtschaftsmediatorin
Associated Partner
anja.geigl@dr-schauer.de

 


 

Jeder kennt es, denn es ist ein absoluter Dauerbrenner: Geschenk – und Tankgutscheine und die 44 – EUR- Grenze. Was Sie bei der Gewährung von diesen entsprechenden Gutscheinen an Mitarbeiter beachten sollten und welche Fallen hier rund um die 44 – EUR – Grenze lauern erläutern wir Ihnen gerne nachfolgend.

Für Sachbezüge gilt eine monatliche Freigrenze von 44 EUR (§ 8 Abs. 2 Satz 11 EStG). Die Freigrenze setzt die Einzelbewertung von Sachbezügen voraus (§ 8 Abs. 2 Satz 1 EStG) und ist deshalb z. B. nicht auf Mahlzeiten anwendbar, die mit dem Sachbezugswert angesetzt werden. Bei der Bewertung von Sachgeschenken des Arbeitgebers ist sie hingegen anzuwenden. Dies gilt auch für die Gewährung von Warengutscheinen.

 

Kann die 44-EUR-Grenze überschritten werden?

Bei dem Betrag von 44 EUR handelt es sich um eine Freigrenze. Wird der Betrag von monatlich 44 EUR überschritten, ist der gesamte Wert des Sachbezugs der Lohnbesteuerung zu unterwerfen. Zuzahlungen des Mitarbeiters sind möglich. Für die Feststellung, ob die 44-EUR-Freigrenze überschritten ist, werden die in einem Kalendermonat unentgeltlich und verbilligt gewährten Sachbezüge – nach Anrechnung der evtl. vom Mitarbeiter gezahlten Entgelte – zusammengerechnet.

Ferner handelt es sich um eine monatliche Freigrenze, sodass die in einem Monat nicht ausgeschöpften Beträge nicht auf andere Monate übertragen werden können. Außerdem darf die monatliche 44-EUR-Freigrenze nicht auf einen Jahresbetrag „hochgerechnet“ werden.

Beispiel: Überschreiten der 44-EUR-Freigrenze

Der Mitarbeiter hat im Laufe des Kalenderjahres keine Sachbezüge auf Grund seines Dienstverhältnisses erhalten. Zum Weihnachtsfest schenkt sein Arbeitgeber ihm zum Dank für die vertrauensvolle Zusammenarbeit einen Warengutschein im Wert von 400 EUR.

Der Gutschein stellt steuerpflichtigen Arbeitslohn dar, weil die 44-EUR-Freigrenze überschritten ist. Es ist unerheblich, dass der Mitarbeiter die Freigrenze in den übrigen Monaten des Kalenderjahres mangels Gewährung eines Sachbezugs nicht in Anspruch genommen hat, da die monatliche Freigrenze nicht auf das Kalenderjahr hochgerechnet werden darf.

Steht der Mitarbeiter zu verschiedenen Arbeitgebern in Dienstverhältnissen, kann die monatliche Freigrenze von 44 EUR hingegen mehrfach in Anspruch genommen werden.

 

Ist eine Gehaltsumwandlung von Barlohn in einen Sachbezug möglich?

Nein, seit dem 01.01.2020 gilt die Freigrenze in Höhe von 44 EUR ausschließlich, wenn der Sachbezug zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn geschuldet wird.

Ausnahme: Eine Gehaltsumwandlung von Barlohn in einen Sachbezug bzw. Gutschein ist mit Wirkung für die Zukunft (ab dem folgenden Monat) steuer- und auch sozialversicherungsrechtlich zulässig. Das gilt auch, um zukünftig die 44-EUR-Freigrenze in Anspruch nehmen zu können. Allerdings ist eine Änderung des Arbeitsvertrages erforderlich. Es darf kein Wahlrecht des Mitarbeiters zwischen Geld und einer Sachleistung bestehen.

 

Bewertung von Sachbezügen

Die monatliche Freigrenze von 44 EUR kann nur für alle in einem Monat unentgeltlich oder verbilligt gewährten Sachbezüge, die nach § 8 Abs. 2 Satz 1 EStG zu bewerten sind, in Anspruch genommen werden. Dies sind Sachbezüge, für die keine amtlichen Sachbezüge festgesetzt sind und die nicht nach § 8 Abs. 3 EStG (Rabattfreibetrag) zu bewerten sind.

Die allgemeine Bewertung der Sachbezüge nach § 8 Abs. 2 Satz 1 EStG erfolgt mit den um übliche Preisnachlässe geminderten Endpreisen am Abgabeort zum Zeitpunkt der Abgabe (R 8.1 Abs. 2 LStR).

Erhält der Mitarbeiter eine Ware oder Dienstleistung, die nach § 8 Abs. 2 Satz 1 EStG zu bewerten ist (Einzelbewertung), so kann sie aus Vereinfachungsgründen mit 96 % des Endpreises bewertet werden, zu dem sie der Abgebende oder dessen Abnehmer fremden Letztverbrauchern im allgemeinen Geschäftsverkehr anbietet (R 8.1 Abs. 2 Satz 9 LStR).

Die Anwendung dieser Regelungen auf Gutscheine kommt u. E. aber nur in Betracht, wenn darin eine konkrete Sache bezeichnet ist, für die eine Bewertung erfolgen kann. Gutscheine über einen EUR-Betrag sind mit ihrem Nennwert anzusetzen. In diesen Fällen ist insbesondere die 96-%-Vereinfachungsregelung nicht anwendbar.

 

Welche anderen Sachbezüge müssen bei der Prüfung der 44-EUR-Grenze (nicht) einbezogen werden?

Vorteile, die nach § 8 Abs. 2 Satz 2 bis 8 EStG bewertet werden, bleiben außer Betracht.

Steuerpflichtige Sachbezüge i. S. d. § 8 Abs. 2 Satz 1 EStG, die nach § 40 EStG pauschal besteuert werden, bleiben bei der Überprüfung, ob die 44-EUR-Grenze überschritten ist, außer Ansatz (R 8.1 Abs. 3 Satz 1 LStR).

Für nach § 37b EStG pauschalierte Sachbezüge gilt Entsprechendes.

Beispiel: Firmenwagen und Warengutschein

Ein Mitarbeiter nutzt seinen Firmenwagen auch privat. Der geldwerte Vorteil für die Privatnutzung wird korrekt versteuert. Im Mai erhält der Mitarbeiter von seinem Arbeitgeber wegen besonders guter Leistungen einen Warengutschein im Wert von 44 EUR.

Der geldwerte Vorteil ist in Anwendung der monatlichen 44-EUR-Freigrenze lohnsteuer- und sozialversicherungsfrei. Denn der Sachbezug aus der Privatnutzung des Firmenwagens ist bei der Prüfung der 44-EUR-Freigrenze nicht zu berücksichtigen, weil er nach § 8 Abs. 2 Sätze 2 bis 5 EStG zu bewerten ist.

Beispiel: Betriebsveranstaltung und Buchgutschein

Im August versteuert der Arbeitgeber für eine Betriebsveranstaltung je Mitarbeiter pauschal (mit 25 %) 150 EUR. Daneben ist einem Mitarbeiter Ende August wegen eines Verbesserungsvorschlags ein Buchgutschein im Wert von 40 EUR überreicht worden.

Der aus der Betriebsveranstaltung resultierende, nach § 40 Abs. 2 Nr. 2 EStG pauschal versteuerte Arbeitslohn bleibt bei der Überprüfung, ob die Freigrenze überschritten ist, außer Ansatz. Der Gutschein ist somit im Rahmen der 44-EUR-Freigrenze steuerfrei.

 

Wann fließt der Sachbezugsvorteil aus einem Gutschein dem Mitarbeiter zu?

Die Finanzverwaltung vertritt die Auffassung, dass der Zufluss von Arbeitslohn bei einem Gutschein, der bei einem Dritten einzulösen ist, bereits mit Hingabe des Gutscheins erfolgt, weil der Mitarbeiter zu diesem Zeitpunkt einen Rechtsanspruch gegenüber dem Dritten erhält. An diesem Tag ist die Höhe des geldwerten Vorteils zu bestimmen. Spätere Wertveränderungen sind lohnsteuerlich ohne Bedeutung. Dem Mitarbeiter wird durch diese Sichtweise die Möglichkeit eingeräumt, Gutscheine mehrere Monate lang zu sammeln. Anders ist es hingegen für beim eigenen Arbeitgeber einzulösende Gutscheine.

Beispiel: Abgabe eines Benzingutscheins

Die Firma gewährt ihrem Mitarbeiter folgenden Gutschein: „42 Liter Super-Benzin“. Der Arbeitgeber hat ermittelt, dass bei Hingabe des Gutscheins der Liter Super 1,069 EUR kostet. Im Zeitpunkt der Einlösung des Gutscheins durch den Mitarbeiter ist der Sprit-Preis auf 1,129 EUR gestiegen.

Die 44-EUR-Freigrenze ist anwendbar, da sich für den Gutschein im Zeitpunkt der Hingabe ein geldwerter Vorteil in Höhe von 43,10 EUR ergibt (42 Liter x 1,069 EUR = 44,90 EUR davon 96 % = 43,10 EUR; der Bewertungsabschlag von 4 % ist hier vorzunehmen, weil eine konkrete Bezeichnung erfolgt ist).

Unmaßgeblich ist, dass sich für den Mitarbeiter im Zeitpunkt der Einlösung des Gutscheins ein Vorteil von mehr als 44 EUR ergibt (42 Liter x 1,129 EUR = 47,42 EUR x 96 % = 45,52 EUR).

 

Welche Aufzeichnungs- und Nachweispflichten müssen bei der Anwendung der 44-EUR-Freigrenze erfüllt werden?

Der Arbeitgeber trägt die Beweislast, dass die ausgegebenen und im Unternehmen nicht mehr vorhandenen Gutscheine den Vorgaben der Finanzverwaltung entsprechen. Daher sollte im Unternehmen eine Kopie der an die Mitarbeiter herausgegebenen Gutscheine, zumindest aber ein Muster der Gutscheine, vorgehalten werden. Die Kopie des Gutscheins sollte der Personalakte des Mitarbeiters beigefügt werden.

Der Arbeitgeber muss alle Sachbezüge, auch ausgegebene Gutscheine, im Lohnkonto eintragen und zwar auch dann, wenn sie in Anwendung der Freigrenze von monatlich 44 EUR steuerfrei bleiben. Zur Erleichterung dieser Aufzeichnungsverpflichtung wird es gemäß § 4 Abs. 3 Satz 2 LStDV zugelassen, dass Sachbezüge, die in Anwendung der monatlichen 44-EUR-Freigrenze steuerfrei bleiben, dann nicht im Lohnkonto aufgezeichnet werden müssen, wenn durch betriebliche Regelungen und entsprechende Überwachungsmaßnahmen gewährleistet ist, dass die Freigrenze von 44 EUR monatlich eingehalten wird. Diese Aufzeichnungserleichterung muss allerdings beim Betriebsstätten Finanzamt ausdrücklich beantragt werden.

 

Gelten die Grundsätze zur Sachbezugsfreigrenze auch für Warengutscheine vom eigenen Arbeitgeber? 

Warengutscheine, die beim eigenen Arbeitgeber einzulösen sind, stellen ebenfalls einen Sachbezug dar.

Ist der Gutschein beim eigenen Arbeitgeber einzulösen, fließt allerdings Arbeitslohn erst bei Einlösung des Gutscheins zu. Auf Gutscheine über Waren und Dienstleistungen aus dem Sortiment des Arbeitgebers findet zudem der jährliche Rabattfreibetrag von 1.080 EUR Anwendung.

Beispiel: Warengutschein in Verbindung mit Rabattfreibetrag

Das Lebensmittelgeschäft gibt seinen Mitarbeitern jeden Monat einen Warengutschein im Wert von 44 EUR, der zum Bezug von Lebensmitteln des Geschäfts berechtigt.
Der Wert dieser Sachbezüge ist in Anwendung des Rabattfreibetrags in Höhe von 1.080 EUR jährlich steuerfrei. Die Anwendung der 44-EUR-Freigrenze kommt nur für Sachbezüge in Betracht, auf die der Rabattfreibetrag nicht anzuwenden ist.

 

Gelten die Grundsätze zur Sachbezugsfreigrenze auch für Aufmerksamkeiten?

Sachleistungen des Arbeitgebers, die auch im gesellschaftlichen Verkehr üblicherweise ausgetauscht werden und zu keiner ins Gewicht fallenden Bereicherung der Mitarbeiter führen, gehören als bloße Aufmerksamkeiten nicht zum Arbeitslohn. Aufmerksamkeiten sind Sachzuwendungen bis zu einem Wert von 60 EUR, die dem Mitarbeiter oder seinen Angehörigen aus Anlass eines besonderen persönlichen Ereignisses zugewendet werden (R 19.6 Abs. 1 LStR).

Die vorstehenden Grundsätze gelten gleichermaßen für die Anwendung der (steuerfreien) 60-EUR-Grenze in den Fällen, in denen Warengutscheine als Aufmerksamkeiten aus Anlass eines besonderen persönlichen Ereignisses (Geburtstag, bestandene Prüfung, Betriebsjubiläum) zugewendet werden. Die Gewährung von Aufmerksamkeiten ist unabhängig von der Sachbezugsfreigrenze von 44 EUR und kann zusätzlich in Anspruch genommen werden.

Der Unternehmer kann alle innerhalb eines Jahres gewährten Sachzuwendungen mit pauschal 30 % versteuern. Die Pauschalierung ist jedoch nur bis zu einem Wert von 10.000 EUR zulässig. Aufmerksamkeiten bis zu einem Wert von 60 EUR bleiben hierbei außer Ansatz.

Beispiel: Gutschein anlässlich des Geburtstags eines Mitarbeiters

Der Mitarbeiter erhält zum Geburtstag von seinem Arbeitgeber einen Gutschein über 60 EUR zur Einlösung in einer Buchhandlung.

Da die 60-EUR-Grenze für (steuerfreie) Aufmerksamkeiten nicht überschritten ist, wird der geldwerte Vorteil nicht besteuert.

Diesen Monat für Sie entworfen:

Prof. Dr. Nikolaus Kastenbauer
Steuerberater, Rechtsanwalt, Partner
Fachberater Gesundheitswesen
dr.kastenbauer@dr-schauer.de

 

 


Wenn die Krise geht, bleibt das Homeoffice – hier sind sich die Experten einig.

Das Homeoffice Modell ist nicht nur der Vorgeschmack auf eine neue Normalität, sondern auch der Beginn eines neuen Arbeitsmodells der Zukunft.

Die Corona-Pandemie versetzt unsere Welt in einen Ausnahmezustand und zwang sämtliche Unternehmen samt Mitarbeiter zum Umdenken.

Digitale Kommunikation in Form von Webmeetings und Videokonferenzen sollten sich innerhalb kürzester Zeit samt Familie und Haushalt vereinbaren lassen. Möglichst viele Menschen sollten in den eigenen vier Wänden bleiben, dort arbeiten und Sozialkontakte meiden. Die meisten mussten sich von heute auf morgen am Küchentisch oder inmitten von Spielzeug der Kleinen mit ihrem neuen Arbeitsumfeld arrangieren und nebenbei eventuell noch die Kinder mit Homeschooling betreuen.

Bei all den Nachteilen die man auf den ersten Blick mit dem Begriff Homeoffice vielleicht in Verbindung bringen mag, so hat es sich jedoch auch gezeigt, dass die Arbeitnehmer die Vorteile der Arbeit von zu Hause aus schätzen gelernt haben. Die meisten Mitarbeiter stellen durch das Homeoffice eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie sicher und es hat sich heraus kristallisiert, dass diese erheblich produktiver sind.

Dies hat auch unsere Mitarbeiterumfrage zur Thematik „Wie komme ich mit Homeoffice zurecht?“ bestätigt.

Auf Grund der aktuellen Pandemie haben auch wir mittlerweile unsere Homeoffice-Arbeitsplätze auf 100 % Prozent ausgebaut. Damit kann die gesamte Kanzlei dezentral arbeiten. Wir wollen einsatzfähig bleiben, um unseren Mandanten bei den Herausforderungen und Hürden die aufgrund der aktuellen Situation zustande kommen jederzeit zur Seite stehen zu können. Für Sie ändert sich „fast“ nichts. Denn alle Mitarbeiter sind weiterhin telefonisch oder per Mail im Homeoffice für Sie da.

Aufgrund der bereits greifenden Home Office Regelung in unserer gesamten Kanzlei, bitten wir um Ihr Verständnis, sollte es in der Bearbeitung gegebenenfalls einmal zu Verzögerungen kommen. Wir freuen uns dennoch auf eine Zeit nach der Pandemie, wenn wir wieder wie gewohnt und jederzeit auch das persönliche Gespräch mit Ihnen führen können.

 

Unser Tipp für Sie als Unternehmer:

Nur ergonomische günstige Arbeitsplätze schaffen produktives Arbeiten. Stellen Sie also sicher, dass das häusliche Büro Ihrer Arbeitnehmer folgende Eigenschaften aufweist:

  •  Geeigneter Schreibtisch mit guter Beleuchtung und bequemen Bürostuhl
  • Stabile Internetverbindung
  • Geeignete Hardware: Computer und Telekommunikationsgeräte
  • Wichtige Maßnahmen der Datensicherheit sind eingehalten: Idealerweise kann das Büro abgeschlossen werden. Vertrauliche Unterlagen sollten weggesperrt werden können.

Arbeitnehmer deren Arbeitgeber keine entsprechenden Arbeitsmittel zur Verfügung stellen können die Kosten für das Arbeitszimmer absetzen.

Und so geht’s:

Grundsätzlich sind alle Kosten, die Sie direkt oder anteilig Ihrem Arbeitszimmer zuordnen können, auch von der Steuer absetzbar. So gehören zum Beispiel Schreibtisch, Schreibtischstuhl und Leselampe fraglos zum Arbeitszimmer, sind also direkt zuordenbar und können in voller Höhe abgesetzt werden. Bei Kosten wie Miete, Strom oder Heizung sieht das etwas anders aus: Diese Kosten fallen für die gesamte Wohnung an – dementsprechend müssen Sie ausrechnen, wie hoch die anteiligen Kosten des Arbeitszimmers sind. Nur dieser Teil kann in der Steuererklärung eingetragen werden.

Diesen Monat für Sie entworfen:

Prof. Dr. Nikolaus Kastenbauer
Steuerberater, Rechtsanwalt, Partner
Fachberater Gesundheitswesen
dr.kastenbauer@dr-schauer.de

 

 


Der Bundesfinanzhof (BFH) hat mit seinem Urteil vom 29.01.2020 (VIII R 11/17) entschieden, dass bei einem als Behandlungsraum eingerichteten und genutzten Raum allein der Umstand, dass die Patienten den Raum nur über einen dem privaten Bereich zuzuordnenden Flur erreichen können, keine für ein häusliches Arbeitszimmer geltende Abzugsbeschränkung beschränken. Denn es handelt sich um einen betriebsstättenähnlichen Raum und nicht um ein häusliches Arbeitszimmer. Die Aufwendungen sind daher im konkreten Fall in vollem Umfang als Betriebsausgaben abziehbar.

 

 

1. Was heißt das nun konkret?

Ein häusliches Arbeitszimmer ist im Wesentlichen ein Raum, der seiner Lage, Funktion und Ausstattung nach in die häusliche Sphäre des Steuerpflichtigen eingebunden ist und vorwiegend der Erledigung gedanklicher, schriftlicher, verwaltungstechnischer oder organisatorischer Arbeiten dient. Ein solcher Raum ist typischerweise mit Büromöbeln eingerichtet, wobei der Schreibtisch regelmäßig das zentrale Möbelstück ist.

Nach den steuerlichen Regelungen sind Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer sowie die Kosten der Ausstattung nur dann als Betriebsausgaben bzw. Werbungskosten abziehbar, wenn das Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Betätigung bildet oder für die betriebliche oder berufliche Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Im letzteren Fall wird die Höhe der abziehbaren Aufwendungen auf 1.250 EUR begrenzt. Die Beschränkung der Höhe nach gilt jedoch nicht, wenn das Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Betätigung bildet.

 

 

2. Ein häusliches Arbeitszimmer ist aber nicht immer ein „häusliches Arbeitszimmer“!

Aufwendungen für Räume innerhalb des privaten Wohnbereichs, die nicht dem Typus des häuslichen Arbeitszimmers entsprechen, können jedoch unbeschränkt als Betriebsausgaben/Werbungskosten abziehbar sein, wenn sie betrieblich/beruflich genutzt werden und sich der betriebliche/berufliche Charakter des Raums und dessen Nutzung anhand objektiver Kriterien feststellen lassen.

Dementsprechend hat der BFH die Aufwendungen für eine Notarztpraxis in vollem Umfang als abziehbar anerkannt. Für diese Räume greift der bei einem häuslichen Arbeitszimmer für die Abzugsbeschränkung maßgebliche Grund – die nicht auszuschließende private Mitbenutzung – gerade nicht. Denn bereits aufgrund ihrer Ausstattung und/oder wegen ihrer Zugänglichkeit durch dritte Personen lässt sich eine private Mitbenutzung ausschließen.

 

Ob ein Behandlungsraum als betriebsstättenähnlich anzusehen ist, bestimmt sich sowohl nach der Ausstattung des Raums als auch dessen leichter Zugänglichkeit für Dritte. Die Anforderungen an eine leichte Zugänglichkeit des Raums für Dritte können nicht völlig losgelöst von dessen Ausstattung bestimmt werden. Jedenfalls dann, wenn bei einem Raum aufgrund seiner Einrichtung und Nutzung eine private (Mit-)Nutzung fernliegend ist, begründet allein der Umstand, dass ihn die Patienten nur über einen dem privaten Bereich zuzuordnenden Flur erreichen können, keine Abzugsbeschränkung. In einem solchen Fall sind die Anforderungen an die leichte Zugänglichkeit geringer. Denn bereits aufgrund der Ausstattung des Raums und dessen tatsächlicher Nutzung kann eine die Abzugsbeschränkung rechtfertigende private (Mit-)Nutzung praktisch ausgeschlossen werden.

 

 

3. Verhältnis von Raumausstattung und Zugänglichkeit ein gewichtiges Indiz

Die Entscheidung verdeutlicht, dass die Merkmale der beruflichen Ausstattung und Nutzung einerseits und der leichten Zugänglichkeit für die Patienten andererseits in Abhängigkeit zueinander stehen. Ist die berufliche Ausstattung und Nutzung eindeutig, kann die eingeschränkte Zugänglichkeit in den Hintergrund treten. Lässt sich dagegen eine gewisse private Mitnutzung nicht von vornherein ausschließen, kann die leichte Zugänglichkeit durch dritte Personen für die Bejahung der beruflichen Veranlassung an Gewicht gewinnen.

Festzuhalten bleibt schließlich, dass die Zugänglichkeit ohnehin nur in Fällen von Bedeutung sein kann, in denen die betriebliche Tätigkeit einen gewissen Besucherverkehr erfordert.